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Wenn Gebirgskrieg richtig nah geht – Rezension zum Wanderführer Sentiero della Pace von Romy Robst

Werbung// Es ist kein normaler Wanderführer für ’noch so eine Alpenquerung‘, sondern Autorin Romy Robst nimmt uns mit in die dunkle Historie des 1. Weltkriegs und wie dieser an der Grenze im Gebirge ausgefochten wurde. Ein spannender Trip über 45 Etappen mit den herrlichsten Aussichten und den dunkelsten Ereignissen, zu denen Menschen imstande sind. 

Mit wenigen Informationen zu einem ausführlichen Wanderführer mit zwei Besonderheiten

Im Rother Bergverlag erschien diesen Sommer der Wanderführer „Sentiero della Pace“ (SdP) von der Fernwanderin und lieben Bloggerkollegin Romy Robst. Sie hat über ein dreiviertel Jahr an diesem Buch gearbeitet und kann nun stolz auf über 150 Seiten eigenes Buchwerk blicken.
Die eine Besonderheit ist, dass Romy einen großen Wert auf Tipps für Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer legt, da eine Hüttentour mit dem vierbeinigen Fellfreund doch oft nicht geht oder sehr stressig ist. Den SdP hat sie mit ihrer Hündin Lotte auf Herz und Nieren geprüft – einer Fernwanderung mit Hund steht hier also nichts mehr im Wege. Viele allgemeine Tipps zum Wandern mit Hund gibt es außerdem auf der Website der Autorin etappen-wandern.de

Lotte on tour / Foto: Romy Robst

Die zweite Besonderheit sind die vielen gut recherchierten historischen Tipps, die im Wanderführer immer wieder als Infokästen eingebaut sind. Meistens mache ich mir als Wanderin keine großen Gedanken darüber, was mal in den Alpen an der einen oder anderen Stelle war. Auf diesem Weg entlang der ehemaligen Frontlinie wäre es aber mehr als nachlässig, sich mit dem Thema nicht zu beschäftigen. Wie sich Romy zum Beispiel fühlte, als sie über den Berg Pasubio, den Berg der 10.000 Toten ging, hat sie in unserem kurzen Interview weiter unten beantwortet. Mich grauselt es jetzt noch.

Kriegsschausplatz in den Bergen / Foto: Romy Robst

Je mehr ich mich mit dem Wanderführer für den Sentiero della Pace auseinandersetze, desto mehr bin ich davon überzeugt, wie wichtig es ist, dass dieser Weg nicht in Vergessenheit gerät. Ich kann mir bei vielen Etappen einfach nicht vorstellen, dass dort Soldaten aus Kriegsgründen solche Taten begangen haben: Stollen unter den Gletscher graben, nur um dann darüber den Feind in die Luft zu jagen. Ganze Bergspitzen wegsprengen, nur um einer anderen Nationalität im Krieg Schaden zuzufügen. Ich verstehe es nicht. Und allein das Wetter hat in diesem Hochgebirgskrieg an die 110.000 Tote gefordert (2/3 der gesamten Soldaten dort). Dass das alles völlig wahnsinnig war, darf nie vergessen werden. Damit so etwas nicht noch einmal passiert! Denn die Alpen sind zu schön, um für solchen Menschenblödsinn herhalten zu müssen.

Und zugleich sind Romy und Lotte durch die herrlichsten alpinen Landschaften gelaufen, die man auf den 45 Etappen sich nur erdenken kann. Manchmal schroff und ausgesetzt, sogar den Gipfel der Marmolada hat Romy mitgenommen, dann wieder sanfte Grashänge und Almen, die eine unglaubliche Weichheit und Sorglosigkeit mit sich bringen. Vorbei an den Drei Zinnen und über die Gardaseeberge – eine landschaftlich extrem reizvolle ehemalige Frontlinie.

Romy in ihrer liebsten Umgebung, den Bergen / Foto: Romy Robst

Aufteilung des Wanderführers Sentiero della Pace

Gewohnt strukturiert kommt auch dieser Rother Wanderführer daher. Die gute Wegbeschreibung ist natürlich die Arbeit der Autorin, aber auch die Kartenaufbereitung sowie die Längen- und Höhenangaben zu jeder Tour helfen mir bei der Einschätzung, ob und welche Teilstücke ich mal gehen möchte. Dank der mitgegebenen GPX-Daten bin ich mir auch sicher, dass ich mich nicht verlaufen werde – danke Romy für die gute Vorarbeit.
Jede Etappe wird mit mindestens einem Bild visualisiert, sodass man ca. weiß, welche Landschaft einen erwartet, denn bei fast 700 km ändert sie sich das ein oder andere Mal.

Der SdP in den Gardaseebergen


Am schönsten finde ich es, wenn das Erlebte von der Abenteurerin herself erzählt werden kann. Liebe Romy, danke, dass Du meine Fragen zum Sentiero della Pace fleißig beantwortet hast und so einen noch viel besseren Einblick geben kannst.

Auf welches Essen hast Du Dich beim Wandern am meisten gefreut bzw. welches hast Du am meisten vermisst in den 8 Wochen?
Beim Fernwandern werde ich immer zum absoluten „Nudeljunkie“. Das ist total verrückt. Wenn ich abends meinen Kohlenhydratspeicher nicht mit Nudeln auffüllen kann, dann laufe ich in der Tat am nächsten Tag meist viel schlechter, bin weniger belastbar und müde. Da ich in Italien unterwegs war, passte das Land natürlich wie die Fast aufs Auge zu mir. Als ersten Gang bekommt man dort ja immer ein Nudelgericht serviert. Auch wenn ich mich selbst versorgen musste, gab es immer Nudeln. Den Kartoffelbrei, den ich für die Abwechslung mitgenommen hatte, hat es hingegen unbeschadet bis ans Ziel geschafft. Vermisst habe ich also, was das Thema Essen angeht, auf dem Sentiero della Pace nichts.

Romy und Lotte auf dem SdP/ Foto: Romy Robst

Du bist den gesamten SdP am Stück gelaufen. Wie hast Du es unterwegs mit Deiner Periode gehandhabt? Bei 45 Etappen kommt man ja nicht dran vorbei.
Nein, ich hatte sogar zweimal das „Glück“. Ich bin in diesem Punkt nicht sonderlich experimentierfreudig und setzte eher auf Bewährtes. Vor Menstruationstasse & Co. habe ich mich bisher immer gedrückt und fahre mit den klassischen Tampons eigentlich sehr gut. Die wandern dann nach Gebrauch in eine Hunde-Plastiktüte und werden bei Gelegenheit entsorgt. Das hat für mich bisher immer am besten gepasst.

Es war bestimmt ab und an ein mulmiges Gefühl über die Gipfel zu steigen und zu wissen, dass so viele Menschen hier gestorben sind. Hast Du manchmal gedacht, irgendwo noch Knochen zu finden oder dass Deine Hündin Lotte auf einmal mit sowas um die Ecke kommt?
Mulmig ist gar etwas untertrieben. Ich war oft emotional sehr ergriffen. Ich kann mich an die Tagesetappe zum Monte Pasubio besonders eindrücklich erinnern, der den weniger schmückenden Beinamen „Berg der 10.000 Toten“ trägt. Er war einer der grauenhaftesten Berge im Alpenkrieg, einerseits weil der Hochwinter viele Leben forderte, andererseits weil hier ein Minenkrieg stattfand. Die Kriegsparteien, die auf benachbarten Nebengipfeln saßen, trieben Stollen unter den gegnerischen Teil und sprengten ihn mitsamt der feindlichen Besatzung in die Luft. Ich wanderte da direkt hindurch, ohne es anfangs zu merken. Bis ich mich umdrehte und völlig unverhofft sah, dass ich eben durch den weggesprengten Teil gekraxelt war, dort wo 500 Soldaten einfach in die Luft gesprengt wurden. Als ich mich wieder umdrehte, sah ich vor mir ganz still auch noch eine Tiroler Flagge einsam im Wind wehen. Da sind wirklich ein paar Tränen geflossen, dass war nach den vielen Schauplätzen, die ich besucht hatte, irgendwie Zuviel.
Mulmig war mir auch bei jeder alten Blechdose, die ich am Wegesrand sah. Diese stillen Zeugen des Alpenkriegs machen ihn so fühlbar. Ich habe mich dann immer gefragt, welchen hungrigen Soldaten, sie wohl einen guten Dienst erwiesen hat. Und ja, es gibt auch „Geschichten“, dass jemand einen Soldatenschuh aus einem Fluss herauszieht oder so was. Aber daran habe ich nicht gedacht und Lotte Gotteseidank auch nicht.

Gipfel weggesprengt / Foto: Romy Robst

In Deinem Wanderführer sieht man auch zwei menschliche Wanderbegleitungen. Waren die beiden auch den gesamten SdP dabei?
Nein, ich bin etwa die ersten 5 Wochen komplett allein mit meiner Hündin gelaufen. Die beiden kamen die letzten 3 Wochen dazu. Das war anfangs gar nicht so einfach, sich auf Wanderbegleitung einzustellen. Aber die beiden haben mir letztendlich den Weg zurück in die Zivilisation mit Gesellschaft sehr einfach gemacht, auch wenn sie zwischendurch beim Wandern sogar Schlager gesungen haben!

Wie viele Fotos hast Du vom SdP mitgebracht und welche findest du am gelungensten?
So genau weiß ich das gar nicht, dass müssten so um die sieben- oder achttausend gewesen sein. Es gibt einige Bilder, die sich sehr gelungen finde, weil sie zeigen, was den Weg ausmacht, nämlich Geschichte. Natürlich gibt es wie bei jeder Mehrtagestour auch viele schöne landschaftliche Bilder, aber das besondere des Weges sind ja die alten Kriegsschauplätze. Aber ich muss auch sagen, dass ich mich heute sogar etwas ärgere, mir nicht mehr Zeit für die Bilder genommen zu haben. Ich war schon sehr gefordert auf dem Weg: er ist anspruchsvoll, ich hatte keinen Wanderführer, keinen korrekten GPX-Track und musste ja auch zwischendurch viel dokumentieren, damit ich das Buch schreiben konnte. Heute bin ich manchmal entsetzt, wenn ich feststelle, dass ich von bestimmten Sachen gar kein Foto habe. Aber die Bilder existieren ja glücklicherweise in meinem Kopf.

Den Rother Wanderführer Sentiero della Pace gibt es im Buchhandel und online für 16,90 EUR zu kaufen. >> Zum Rother-Shop

Zu Romys Blog www.etappen-wandern.de geht’s hier entlang.

Das Buch wurde mir zu Rezensionszwecken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt wie immer meine eigene.

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