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Gardasee von oben – eine ausgesetzte Wanderung zum Punta Larici

Diese Rundwanderung folgt den Steilklippen viele hundert Meter oberhalb des Gardasees, abschüssig, exponiert und mit grandiosen Ausblicken. Fast fjordähnlich schmiegt sich der Pfad an den Fels, nur mit deutlich südlicherem Flair als in Skandinavien.

Mit dem klaren Glockengeläut um 9 Uhr starteten wir in Pregasina zu unserer Wanderung. Wir befanden uns schon 532 Meter über NN, tief unter uns der blaue Gardasee und die Sonne schien warm, fast schon gleißend auf uns hinab. Gut, dass ein Großteil der Wanderung im Wald verläuft.

Pregasina

Wir folgten der einzigen Straße durchs Dorf und kamen schon bald tüchtig ins Schwitzen – die Höhenmeter ließen hier nicht auf sich warten. Die Straße hatte den unnachgiebigen Tritt eines Militärweges. Grobkörniger Teer mit tiefen Rillen, die an Panzerketten erinnerten und eine Steigung, die nur wenige Autos packen würden. Ich zumindest schaltete direkt mal auf Eselgang um, einfach immer einen Schritt nach dem anderen, bis zum nächsten Wanderschild.

Tänzelnd am Abgrund bis zum Punta Larici

Und just kam dann auch ein Schild, das uns in den Wald hineinführte. Ab hier begann der wahrlich traumhafte Abschnitt der Tour. Unser Weg wurde zum laubumsäumten Pfad, der sich in noch steilerem Gelände seinen Weg suchte. Immer wieder rutschte ich weg, wenn ich unachtsam ging. Wurzeln, Blätter und die warmen Temperaturen waren kein zu unterschätzender Faktor. Der Weg steigt an Richtung Kante. Als wir endlich am Abgrund standen, nahm ich jedes Detail in diesem Moment wahr. Die glitzernde Sonne auf der Seeoberfläche, die sanften Wolkennebel am Monte Baldo Massiv gegenüber. Die kleinen Autos, die so niedlichen Lärm machten auf der Uferstraße weit unter uns und das Rauschen der Blätter vom steten Gardaseewind. 

Ab in den Wald und bergauf
Blick zurück nach Pregasina und im Dunst der Monte Brione

Nico trug unsere Räubertochter sicher vor seinem Bauch in der Trage. Bei diesem ausgesetzten Pfad direkt am Hang eine Herausforderung. Er sah seine Füße ja nicht mit ihr als Knubbel vor seinem Bauch. Zum Glück schlief sie aber und ließ sich durch nichts aufwecken. Nur an unserer persönlichen Schlüsselstelle meckerte sie kurz- an einer Stelle führte uns der Pfad durch den Fels hindurch. Man musste sich ein wenig bücken- und das mochte sie nicht, wenn sie im Schlaf Richtung Rückenlage gekippt wurde. Wenn mich früher geröllige Wege am Anhang gestresst haben, so war es jetzt eine solche Situation: denn bitte, Baby, schlaf einfach weiter!

Die Höhenmeter gingen uns in die Beine, die Aussicht von hier oben war grandios. Ich wollte ewig an dieser Kante entlangwandern.

Unsere persönliche ‚Schlüsselstelle‘ mit Baby in der Trage

Irgendwann kamen wir auf einem Grat an eine Kreuzung. Links geht’s zum Punta, rechts dann später runter.

Und langsam wurde die Räubertochter wach. Wie gut, dass der Weg hier auf dem Grat etwas breiter wird, denn sie fing an zu brüllen. Da kann man sich echt nicht mehr auf die eigenen Schritte konzentrieren. Wir flogen die letzten Schritte bis zum Punta Larici dahin, schmissen unsere Rucksäcke am Aussichtspunkt hin und entspannten uns und das Baby quasi sofort. Jetzt erstmal Pause.

Ich blickte gedankenverloren auf den kleinen Ort Limone, ließ den Wind mit meinen Haaren spielen und nippte an meinem Wasser. Ein paar Büsche gab es hier oben und wunderschön blühende Blumen. Ruhe.

Tief unter uns liegt Limone
Bergsommer

Der Abstieg auf gemütlicheren Wegen

Unser Abstieg und Rückweg verlief auf Wegen, die deutlich einfacher zu gehen waren als unser Hinweg. Das war für uns auch gut so, denn wenn die Kleine keine Lust mehr auf ihre Trage hat, brauchte man Pfade, auf denen man gut ausschreiten kann und etwas unkonzentrierter laufen kann. 

Wir kamen an der Alm Malga Palaer vorbei – hier kann man für eine größere Wanderung noch den Rocchetta Pass mitnehmen, der sich uns die ganze Zeit mit seinen Gipfeln verlockend vor der Nase auftürmte. Mit einem stummen Versprechen für einen späteren Zeitpunkt wählten wir aber den gemütlichen Weg hinab nach Pregasina. 

An der Alm Malga Palaer
Nach etwas Schotterstraße dann der Abstieg nach Pregasina

Wir wanderten einige Zeit auf einem Schotterweg mit verbaumter Aussicht Richtung See und zum Monte Brione, bis es jäh rechts den Berg hinabging, in Serpentinen und mit viel Geschotter. Hier mussten wir nochmal gut auf unsere Schritte achtgeben. Wegrutschen wäre hier sehr unangenehm, um es mal entspannt auszudrücken.

Gegen Ende der Tour kamen wir wieder auf eine private Bergstraße, passierten Wohnhäuser, die zum Träumen einluden und fanden uns schließlich in der Mittagshitze am Parkplatz wieder.

Zur Belohnung ne Lasagne in Pregasina

Wir entschieden uns dafür, noch einen schnellen Umtrunk im nahen Restaurant mit einer perfekten Aussichtsterrasse zu gönnen. Ich war nervös, denn unsere Räubertochter fand es auf Dauer doof in ihrer Autositzschale rumzugammeln. Wir stellten sie auf unseren Tisch – die gute Aussicht lenket sie hoffentlich ab und genossen für ein paar Sekunden einfach nur das Leben. Und dann bestellte Nico eine Lasagne für uns beide. Dafür liebe ich ihn.

Sekundenglück: Lasagne

Diese Lasagne, in Hast und Genuss zugleich verschlungen, bevor die Kleine anfängt zu meckern, war die beste Lasagne der Welt! Ich kann euch also kein neutrales Urteil darüber geben, denn in dem Moment war es einfach himmlisch.

Seelig, satt und mit dann doch quengelndem Baby machten wir uns auf Richtung Parkplatz und feierten uns und die Tour.

Ein Gedanke zu “Gardasee von oben – eine ausgesetzte Wanderung zum Punta Larici

  1. Das ist ja eine tolle Tour!
    Und bei dem Wetter mir der Sicht sicher außergewöhnlich schön!
    Danke für den Artikel und die Bilder, stimmen sie mich doch auf den Urlaub in Sexten (Pustertal) ein…

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