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Mein Herz aus Gold, meine Seele aus Stahl – Ruhrpottromantik am Klettersteig Monte Thysso

Ganz schön abschüssig finde ich die Wand, an der ich herumklettere. Aber dafür mit gutem Grip – denn die Wände der alten Erzbunkeranlage sind wunderbar uneben, haben sie doch schon ganz anderen Kräften standgehalten. Ich befinde mich mitten in einem alten Hüttenwerk im heutigen Landschaftspark Duisburg-Nord. Hier liegt der nördlichste Klettersteig außerhalb der Alpen und so nah an meiner Homebase, dass es echt schon peinlich ist, dass ich ihn in diesem Jahr erst erkunde.

Via Ferrata Monte Thysso – eine lange Geschichte

Das Ruhrgebiet war lange Bergbauzentrum und entsprechend viel Industrie und wenig Natur gab es hier. Aber diese Zeiten sind schon lange passé – und dafür sind viele innovative Ideen mit den alten Gemäuern umgesetzt worden. Der DAV Duisburg hat 1992 hier bereits im Hüttenwerk mit viel Liebe, Zeit und Schrauben einen 530m langen Via Ferrata gebaut in den unterschiedlichsten Schwierigkeitsstufen. 2012 wurde er noch erweitert und so werden nun die Schwierigkeitsstufen A-E abgedeckt. Was für eine Gaudi!

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie dieser ‚Park‘ aussah, als hier wirklich noch gearbeitet wurde – der Kohlenpott. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schnell der Mensch seine Umgebung – im Positiven formuliert – gestalten kann und was sich daraus aber auch wiederum ergeben kann. Niemand, aber auch wirklich keiner, hätte sich bis zur Schließung 1985 vorstellen können, dass seit nunmehr 30 Jahren der LaPaDu kletternd, spazierend und spielend erlebt wird.

Route finden auf dem Klettersteig

Es ist etwas ungewohnt auf ‚nicht Naturfels‘ zu gehen, aber eigentlich hangele ich mich wie bei jedem anderen Klettersteig die Wände entlang. Der Weg ist dank der Seile natürlich klar definiert, trotzdem muss ich gut auf meine Füße achten, denn gefühlt gibt es hier mehr Stolperkanten als an natürlichem Fels. Auch wenn sich hier 1000 Leute an einem Stahlprofil stoßen, wird es deswegen nicht abgenutzter.

Ich wähle den B-Einstieg (es gibt auch direkt einen D-Einstieg) und steige die Klammern immer weiter hinauf. Insofern unterscheidet sich dieser Klettersteig auch deutlich von solchen an natürlichem Fels, als dass es hier wirklich steil hinab geht – ich glaub, es ist gut, dass ich nicht richtig klettern gehe. Mein Höhenrespekt bekommt eine Unterweisung, dass ich genauso sicher wie an gewachsenem Fels klettere und weiter geht’s.

An manchen Stellen sind statt der Klammern einfach ein paar Vertiefungen in die Wand geschlagen – schon etwas klein, aber hier geht’s ja auch nicht darum, einen bequemen Weg durch diese Erzbunkeranlage zu finden. Von unten stehen immer wieder laut quasselnd Kindergruppen vor dem Zugang und ich frage mich mehr als einmal, wie sich Affen im Zoo fühlen, wenn sie tageintagsaus so angestarrt werden.

Ich konzentriere mich auf meine Route und komme dabei immer wieder durcheinander. Die Topo ist natürlich etwas agiler als bei einem Steig am natürlichen Fels, entsprechend gibt es auch immer wieder Änderungen. Und ich möchte partout nicht auf eine Etappe kommen, die schwieriger ist als C. Zum Glück habe ich mein Handy mit der Karte dabei. Es gibt hier immer Möglichkeiten, eine Pause einzulegen.

Wir finden das Gipfelkreuz. Ein Kuss. Weitergehen. Manche Passagen sind C, weil man sich einfach nicht gut festhalten kann. Auch die Klammern im Abstieg sind als C markiert – ja, das fühlt sich nämlich echt unangenehm an, diese hinunterzusteigen. Macht aber Spaß. Und dann ist der Steig auch schon fast zu Ende – ich lasse mich noch am Turm zum D-Abstieg hinreißen und stelle erstaunt fest, dass es gut machbar ist. Um gute Fotos zu bekommen, mache ich ihn sogar nochmal (ich wieder…).

Ich bin mir also echt nicht sicher, wie die Schwierigkeit des Via Ferratas Monte Thysso einzuschätzen ist, denn es ist dort einfach anders. Die Wand ist viel ausgesetzter, das hat mir psychisch mehr abverlangt, als ich dachte. Nico hat nach der ersten Runde Blut geleckt und ging den Steig nochmal mit ein paar D-Einlagen und etwas schneller. Währenddessen saß ich unten am Boden in der Sonne, schaute ihm und den anderen gemütlich zu. Ich freute mich, dass nicht so viel los war, denn sonst ist es schnell gedrängt – wie auch auf jedem anderen Klettersteig.

Infos zum Eintritt

Um in die Erzbunkeranlage reinzukommen (Stichwort Zaun), braucht man den Tages-PIN. Der Eintritt kostet für DAV Mitglieder einer Fremdsektion (nicht Duisburg) 7 Euro. Damit helft ihr, den Steig und die Kletteranlagen in Schuss zu halten, damit wir alle noch oft in den Genuss kommen im Hüttenwerk zu klettern: www.dav-duisburg.de/klettergarten/klettersteig

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