Waldig-wolkenreicher Wicklow Way in Irland, Teil 3/3

Wicklow Way Tag 3: Laragh bis Drumgoff (17km) und Kompletteindruck
Der nächste Morgen war für uns zwei B&B-Nutzer ein ganz entspannter – es regnete draußen und das seit Stunden. Wir waren echt froh, dass wir uns am Tag zuvor entschieden hatten, nicht zu zelten. So konnten wir mit trockenem Zelt und in gemütlich warmer Kleidung nach einem ausgiebigen Frühstück auf unsere letzte Etappe starten.
Sie führte uns am Rundturm von Glendalough vorbei, weiter am Lower Lake vorbei und kurz vor dem Upper Lake wendet man sich nach links und folgt dem unteren Lauf des Poulanass Waterfalls. Hübsch anzusehen war er, aber bei gutem Wetter garantiert ein Tourianziehungspunkt. Wie gut, dass es regnete. Oberhalb des Wasserfalls folgt der Wicklow Way dann, bis auf das Lugduff Gap, Forstwegen. Das waren wir ja von den Vortagen schon gewöhnt, aber als uns dann ein Schwertransporter mit Baumstämmen an uns vorbeifuhr, war die vermeintliche Idylle wirklich verschwunden. De facto läuft man auf dieser Etappe durch reines Forstgebiet und auf Forstwegen. Für unsere Wanderfüße war das nicht so ein tolles Erlebnis, aber immerhin haben wir zwei Rehe gesehen. Die einzig interessante Stelle, und bei gutem Wetter wohl sehr schöne, ist das Gap. Man läuft wieder auf Planken über Hochmoor und kann seinen Blick ins Tal schweifen lassen, Schafe liegen schmatzend am Plankenrand und beobachten die schwankenden Wanderer. Wir hatten wie gesagt mit dem Wetter nicht so ein Glück. Zwar lagen die Schafe immer noch schmatzend am Plankenrand, aber sie schauten eher dumm, warum wir bei solch einem Wetter unterwegs waren. Berechtigt. Der Wind zog und zurrte an unseren dicken Rucksäcken, der Regen peitschte uns ins Gesicht, Weitblick gab es nicht… wir waren froh, als wir das Gap hinter uns hatten. Dann ging’s noch einmal steil den Berg hinab und flugs fanden wir uns wieder auf Forstwegen wieder.

Bald darauf erblickten wir ein Shelter und suchten dort Schutz vor dem nicht enden wollenden Schauer. Dort saß schon ein Franzose, etwa unser Alter und unter aller Sau ausgerüstet. Keine Kapuze, kurze Hosen, nur ein Kondom für seinen Rucksack. Himmel, wieso sind manche Leute so unterwegs? Er fragte nach dem nächsten Supermarkt, er wolle dort etwas einkaufen und dann noch auf den höchsten Berg der Wicklows… es störte ihn nicht, dass es bereits 14 Uhr war, dass er erst noch den Umweg über irgendeinen Supermarkt machen musste und dass der Berg Militärgebiet war – es gibt keine Wanderwege dort hinauf. Wir gaben ihm den guten Rat, nicht auf den Berg zu wandern und unser letztes Wasser und Essen – unsere Etappe war nur noch 4 km lang.

Wenig spektakulär folgten wir in einer kurzen Regenpause unserm Forstweg und kamen nass, aber erleichtert in Glenmalure an. Im ortsansässigen Gasthaus gab es Kaffee und Kakao für uns und die ersten Sonnenstrahlen suchten sich ihren Weg durch die dichten irischen Wolken. Immerhin schien sie jetzt!

Weitwanderwege – das müssen die Iren noch lernen

Die Beuteltiere haben den ganzen Wicklow Way zurückgelegt, von Süden ausgehend und haben sehr schön ausführlich darüber berichtet: On the rocky road to Dublin. Über die Forstwege haben sie sich nicht beklagt, sondern vielmehr hervorgehoben, dass die Wicklows so richtig schön an den Stellen über’s Hochmoor sind. Die sanften Hügelhänge und tiefen Seen locken das Auge des Wanderers immer wieder dazu, Neues zu entdecken. Der Blick zum Meer und die saftigen grünen Ebenen sind einfach so typisch irisch wie das ‚soft weather’. Die Iren selbst sind ein sehr aufgeschlossenes und fröhliches Völkchen, überall erlebt man herzliche Gastfreundschaft und die Möglichkeit in urige Irish Pubs einzukehren ist schier unerschöpflich. Jeder, der die grüne Insel liebt, weiß um ihr raues Wetter. Einen Weitwanderweg würde ich in Irland jedoch nicht empfehlen, sondern lieber viele kleinere Tagestouren planen, an denen man die vielen wundervollen und abwechslungsreichen Orte der grünen Insel erleben kann. Ich werde nicht das letzte Mal in Irland gewesen sein.

Tag 1: Von Enniskerry bis irgendwo hinter’mDjouce Mountain (16 km)

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