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Fjord-Style am Nisser – meine windige Wanderung in der Telemark

Endlich war ich wieder in Norwegen – endlich sah ich wieder diese wunderschöne Felslandschaft, fühlte den frechen nordischen Wind in meinen Haaren und schaute über die Hochebene Richtung Horizont. Dieser Wanderhappen zeigte mir so eine schöne Seite der norwegischen Natur, die meine Seele berührte. Oh Norwegen, ich hab Deine Naturgewalt ehrlich vermisst!

Kurvige Anreise mit kurzer Verwirrung

Diese Tour kann man auch direkt am Seeufer des Nisser starten und gewinnt dadurch noch einige nice Höhenmeter dazu (Link unter dem Beitrag). Mit der Räubertochter im Gepäck waren aber die anvisierten 271Hm und 6,6km bereits absolut ausreichend und so fuhren wir die schmalen Sträßchen Richtung ‚Parkplatz‘ immer weiter und weiter hinauf. Wir begegneten kaum einem anderen Auto – denn diese kleine steile Straße ‚endete‘ an einem kleinen Kuriosum: Hier stand ein Schild, man solle bei Weiterfahrt auf der weiterführenden Privatstraße bitte 60NOK in einen vorbereiteten Briefumschlag geben und diesen in den großen Kasten am Straßenrand werfen. Wir waren kurz etwas verwirrt, ob wir das alles richtig verstanden haben, aber es würde schon passen und das Geld hatten wir tatsächlich in bar dabei. Juhu!

einmal in bar zahlen, bitte

Einige Kurven weiter oben gab es einen Parkplatz für vielleicht 3-4 Autos. Hier war kein großer Andrang zu erwarten und wir freuten uns, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten hierherzukommen. Jetzt konnte die Tour absolut gut starten – ein Blick auf die Karte zeigte uns auch, dass die lange bei komoot hinterlegte Wanderung einfach vom See über die Straße anstieg, die wir gekommen sind – wir hatten also nichts verpasst außer Höhenmeter (nur ein bisschen schade^^).

Mutig bergauf. Nach einem Abschnitt über Forstwege gings auf kleine Pfade

#Wanderhappen hinauf zum Gipfel des Håvenuten (822m)

Ab unserem Ausgangspunkt ging es dann direkt auf kleineren Wegen weiter, zunächst auf einem schmalen Forstweg und bald schon zweigte der Weg ab und wir folgten einem schmalen Pfad, der sich durch die Blaubeergestrüppe in sanften Schwüngen den Berg hinaufzog. Um uns herum war Wald, ab und an ließen die vielen Bäume einen schweifenden Blick zu, der uns mehr zeigte: das gegenüberliegende Ufer war weit weg und steil. Der Wind blies ordentlich, aber hier geschützt im Wald, merkten wir ihn nicht so sehr. Jetzt im August blühte auch bereits die Heide und zusammen mit einigen Sumpfblumen ergab es eine herrliches Stilleben.

Wir gingen an einem sehr grün überwuchertem See vorbei, es hatte fast schon Moorcharakter. Langsam nahmen die blanken Felsen zu, wir legten einige Höhenmeter zurück.

wunderschön, oder? Fast wie ein kleines Hochmoor
Panoramaaaaaa – und da grinst sie seelig

Und dann waren wir oben auf dem Fjell. Die letzte Kuppe war schnell erklommen und schon packte uns der Wind mit voller Kraft. Während in Deutschland alle im Hitzehoch schwitzten, zogen wir uns hier den winddichten Layer über. Wunderbar!

Auf dem Håvenuten gibt es oben einen kleinen Steinturm, eine so genannte Varde. Im Grunde ein stabil gebautes Steinmännchen, ähnlich einem Gipfelkreuz. An einem alten knorrigen Bäumchen fanden wir zudem in einem Briefkasten das Gipfelbuch, in das wir uns natürlich eintrugen – Aber wir nahmen es zu einer etwas windgeschützten Stelle mit.

Die Varde am Gipfel des Håvenuten (822m)
happy stone – happy place

Hier saßen wir also, mummelten uns in unsere Kleidungsschichten ein, aßen ein wenig von unserem Proviant, unsere Räubertochter schrieb ins Gipfelbuch, und ich ließ dieses beeindruckende Panorama auf mich wirken. Der Nisser machte direkt unter uns einen Knick, sodass wir in beide Enden reinschauen konnten. Das war schon wirklich ein tolles Fjord-Gefühl! Es muss nicht Jotunheimen sein, es darf auch gern mal der Nisser sein.

happy face – happy place
grandios, oder?

Abstieg übers Fjell

Unser Rundweg führte uns weiter übers Fjell und diesen Abschnitt habe ich besonders genossen. Im sanften Abstieg suchten wir uns den Weg vor allem entlang der Steinmännchen. Die Heide blühte überall als bunte Farbkleckse, immer wieder entdeckten wir kleine Seen, die sich zwischen den Felsbergen versteckten und der eine riesige Ameisenhaufen zog in seiner Emsigkeit unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Sobald wir uns von der Fjellkante abwandten, wurde der Wind weniger, meine Ohren bekamen eine Pause. Langsam wurden die Bäume wieder etwas dichter, den Weg erkannten wir wieder anhand von ausgetretenen Pfaden und wir konnten auch wieder Blaubeeren schnabulieren.

Sommer im Fjell – wenn das Heidekraut blüht
sehr ihr das Bäumchen, das sich wie ein Tor neigt? In welche Zauberwelt führt es wohl?
und wieder zurück durch die Moorlandschaft Richtung Parkplatz

Die vielen Bäume hier wuchsen krumm und schief, manche berührten sogar wieder mit der Spitze fast den Boden und bildeten so ein magisches Tor in eine andere Welt.

Mit diesen zauberhaften Gedanken und immer ein paar Blaubeeren in der Hand, fanden wir den Weg hinab bis zurück zum kleinen Parkplatz. Nach diesen guten 6km war ich auch etwas müde, der Wind hat alle Flausen aus meinem Kopf vertrieben und auf unserer Rückfahrt bin ich tatsächlich fast eingeschlafen.

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