Die Kunst des Kanufahrens liegt auch darin, in einer sehr gemischten Gruppe, keine Carambolagen herbeizuführen. Denn auf der Wupper darf nur touren, wer mit einem offiziell zertifizierten Kanuguide unterwegs ist – und so fanden wir uns in dieser Gruppe wieder. Das Naturschutzgebiet hier ist so fragil, sodass sich sehr darum bemüht wird, der Natur allen Raum zu geben. Auf der Wupper dürfen Gruppen maximal 40 Personen umfassen mit maximal 15 Booten – wir sind 12 gewesen und genossen diese exklusive Kanutour.

Zu Besuch bei Eisvogel & Co.
Dass die Wupper im Bergischen Land (NRW) sich auf einem guten Weg befindet, zeigt die vielfältige Fauna, als wir auf dem kühlen Nass unterwegs sind. Bestimmt zweimal sehe ich einen Eisvogel vorbeihuschen und bin hin und weg – meine Kamera ist leider zu langsam für den kleinen Flattermann.
Wir sind heute mit Caro und Patrick unterwegs und starten mit unseren anderen Kumpelbooten am Wipperkotten. Die beiden haben auch schon Paddelerfahrung und so sind wir alle voller Vorfreude auf die heutige Tour!
Unsere beiden Guides sind mit Kajaks unterwegs und können so entsprechend schnell reagieren, kurz vorfahren, Untiefen ausmachen und uns paddelnde Bojen drumherum schicken.


In einer Kanugruppe unterwegs zu sein, hat für mich auch immer etwas sehr Abenteuerliches, denn man weiß nie, wie die Fähigkeiten der anderen so sind. Schnell stellten wir fest, dass wir zu schnell für die Gruppe waren und ließen uns von da an eher etwas treiben. Das Lenken bei uns im Kanu übernahm Nico und ich konnte dann besser Fotos machen. Aber natürlich waren auch einige dabei, die weniger den Umgang mit dem Kanu kannten, sodass es immer wieder zu lauten und lustigen Uferanlandungen kam. Wir haben auch gemeinsam eine Pause eingelegt, etwa auf der Hälfte der Strecke, wo wir uns mit Snacks und Getränken stärken konnten, die unsere Guides mitgenommen hatten. Wirklich gebraucht hätte ich es nicht, denn so lange und anstrengend war die Route bislang nicht.


Zwischen Industrie und Natur
Wir hatten an diesem Tag ziemliches Glück, denn je nach Wasserpegel wird spontan eine andere Tour gefahren. Dieser untere Teil der Wupper lässt sich nur relativ selten befahren, weil das Wasser recht seicht ist. Wir paddelten vom Wipperkotten (Wuppertal) bis Opladen, quasi direkt durch die Stadt. Wir passierten auf unserem Weg auch einige alte Stahlviadukte, die mich alle an kleine Varianten der Müngstener Brücke mit ihrem Brückensteig erinnerten. Diese Mischung aus überbordender Natur, Bäumen, die ins Wasser hängen und den kalten Stahlgerippen über uns, hatte was schön Postapokalyptisches. Ich liebe diese Mischung sehr. An solchen Orten war der Mensch vor einiger Zeit einmal Spitzenprädator, ist es jetzt aber nicht mehr, sondern reiht sich einfach in die Nahrungskette ein. Ich fühle Respekt vor der Natur und ihrer Unaufhaltsamkeit. Und ich fühle Ruhe in mir, während wir als Gruppe manchmal alle sehr leise und konzentriert unterwegs sind.


Und dann kommt eine mini kleine Stufe, die von unseren Guides sogar rückwärts runtergefahren wird, ganz easy. Ich bin einfach grundsätzlich nicht so ein Fan von Wasser und so eine Stufe, egal, wie winzig, macht mich etwas unruhig. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen, einfach Gas geben und mit ner guten Geschwindigkeit runterpaddeln. Andere aus unserer Gruppe hatten deutlich weniger Erfahrung als wir und quietschten zum Vergnügen aller sehr laut. Ein Kanu war knapp vorm Kentern, schaffte es aber noch. Wir alle kamen trocken an unserem Endpunkt an.
Ich wäre gern einfach weitergepaddelt. Von den 10 km war ich weder müde, noch erschöpft. Mein Hintern tat wie immer etwas weh, aber das ist ja irgendwie normal. Stattdessen zogen wir gemeinsam alle Kanus an Land und konnten dann unsere eigene Picknickpause machen, da wir ein Auto mit Chips und Bier bereits an den Endpunkt gestellt hatten. Das geht immer.

