Mullerthaltrail-Route-2-Header-outdoormaedchen-1

Von Sandsteintürmen und Geheimpfaden

Auf dem Mullerthaltrail Route 2

Immer wieder passierten wir riesige Felsbrocken, die für uns kleine Menschen als Felslabyrinthe daherkamen. Sie alle trugen Namen wie ‚Rittergang‘, ‚Eulenburg‘ oder auch ‚Wolfsschlucht‘ und sie alle wurden diesen mystischen Bezeichnungen absolut gerecht. Es fühlte sich wunderbar an, hier in diese Felsenlandschaft abzutauchen und zwischen düsteren, hohen Gängen und schmalen Stiegen umherwandern zu können. Und das nur ca. 3 Fahrstunden von meiner Heimat im Niederbergischen entfernt.

Los geht’s, die ersten 10km gehen flüssig runter
Achtung, Baum verkehrt herum

Schluchten statt Berge – Unterwegs auf dem Mullerthaltrail Route 2

Wie fast jedes Jahr war ich mit Tine ein Wochenende unterwegs – dieses Jahr passte es aber nicht, dass wir in die Alpen kamen, also tauschten wir kurzerhand die Berge gegen Schluchten, denn hier ins Luxemburger Mullerthal wollte ich schon seit Langem und wir hatten ein Wochenende Zeit. Olé!

Wir hatten es uns so überlegt, dass wir am Freitag anreisen, den ganzen Samstag wandern und Sonntag dann nur noch ein wenig wandern plus die Rückfahrt meistern. Wir wollten also die 39km in zwei Tagen runterrocken. Leider haben wir etwas spät geplant, sodass wir kein Hotel direkt am Weg mehr bekommen haben und leider haben wir auch nicht so genau die Kilometer geplant („Ach, wird schon pi mal Daumen hinhauen!“), sodass wir am Samstag ziemlich viel liefen. Soweit erstmal.

Wir starteten irgendwo im Nirgendwo im Örtchen Altrier, aber es ließ sich gut parken. Das Wohngebiet, in dem wir unser Wandermobil stehenließen, war nur wenige Meter entfernt von der uralten Eiche, die in einem Seitenarm des Trails stand. Außerdem parkten wir quasi direkt neben einer Bushaltestelle, was uns für den letzten Tag den Hintern retten sollte. Und ab hier konnten wir nun einfach dem roten M auf weißem Grund folgen – die Beschilderung war wirklich super.

eng, super eng
schöne Herbstzeit

Zwischen gigantischen Felstürmen in der Kleinen Luxemburger Schweiz

Ich glaub, wir haben einen ziemlich genialen Einstiegspunkt gewählt, was die Highlights der Tour angehen, denn ich konnte mich kaum sattsehen am „Rittergang“ und dem Felsdurchgang „Kuelscheier“. Hier zwischen den moosbewachsenen Gängen ließ es sich wirklich eine Weile aushalten und wir erkundeten jeden Spalt, um zu schauen, zu welchen Geheimnissen er uns führen würde. Wir nahmen niemals den außen entlangführenden Weg und wir scheuten auch wirklich nicht die engste Passage, trotz unserer dicken Rucksäcke – und ich kann nur sagen, dass es sich wirklich sehr gelohnt hat.

Wie eng ist denn bitte der „Rittergang“? Und wie hoch gehen bitte die Felsen über unsere Köpfe? Manchmal führten Treppen hinunter, manchmal führten welche bis hoch aufs Felsplateau, sodass wir den anderen Wandernden auf die Köpfe hätten spucken können.

da oben waren wir gerade eben
die Wege sind schon alt

Im „Deiwepetz“ etwa, war extra ein Schild angebracht, dass es eng wird – zum Glück ist uns niemand entgegengekommen, ich glaube, sonst hätten wir einfach diese Passage komplett rückwärts gehen müssen, umdrehen oder ausweichen war nicht. In der „Hölle“ ging es einfach schmackhafte 55m in die Tiefe. Ganz langsam, aber zielsicher führte dort der immer schmaler werdende Weg hinab. Keine Markierung versperrte den Weg, nur die Dunkelheit ließ uns irgendwann innehalten, atmen, und dann umkehren. Nur mit Handylicht war das kein Genuss.

schön dunkel
schön hell

Und obwohl wir am letzten sonnigen September-Wochenende dort waren und auch mächtig viel los war, war es nicht überfüllt. Die Felsen schluckten immer wieder die anderen Menschen, ließen meine Fotos ruhig und menschenleer wirken. Zwar war es in echt nicht so, aber durch die vielen Verwinkelungen und Abzweigungen waren wir doch tatsächlich oft allein. Wie schön!

romantische Brücke – der Schiessentümpel
gnihihi, es machte einfach so viel Spaß!

Und weil wir jeden Geheimweg und jede Treppe dreimal im Kreis mitnahmen, tackerte unser Kilometerzähler nach oben, ohne dass unser Hotel wirklich näher kam. Zudem machte sich irgendwann bemerkbar, dass wir es nicht gewohnt waren, mit so schwerem Gepäck unterwegs zu sein, sodass wir die letzten 10 Kilometer in gemächlichem Tempo zurücklegen mussten. Irgendwie tat alles weh, irgendwie lief es nicht mehr rund.

Noch 10 km bis Echternach – eine Kampfansage

Natürlich hätten wir irgendwo eine Bushaltestelle auftreiben können, in Luxemburg ist die Fahrt mit den Öffis ja sogar kostenlos (mega geil), aber wir hatten noch ein paar Highlights der Tour vor unserer Nase. Der Wille war da, diese auch abzulaufen, auch wenn das Knie nicht mehr so recht wollte. Ich mein, wer will schon die Wolfsschlucht verpassen? Wer will sich schon eingestehen, dass wir hätten besser planen müssen, damit dieser Samstag nicht so ein Gewaltakt werden würde?

Sagen wir mal so, es ging. Irgendwie. Zwischendurch kamen wir durch Berdorf und sahen das Hotel, das leider schon belegt war, das aber perfekt gewesen wäre. Statt also zum Hoteleingang bogen wir auf einen kleinen Hof ab und gönnten uns am Bauernhofautomaten einen Kakao. Danach ging’s einfach weiter.

Hinab in die Eulenburg
30km, olé

Als es dämmerte, fanden wir unser Hotel südlich von Echternach, wir fanden auch kurz vorher den Weg zur Tanke, um uns dort mit kleinen Schweinereien ein gutes Abendessen fürs Hotelzimmer zusammenzustellen – denn für das reguläre Abendessen waren wir leider zu spät dran. Upsi. Und unser Tacho zeigte 30km mit 900Hm an. Ich glaub, wir haben tatsächlich jede Stiege mitgenommen, die diese Tour zu bieten hatte. Ich war mächtig stolz auf uns.

dann doch Wellness
Zwischen Wellness und Wehmut

Und dann ließen wir es uns einfach so richtig gut gehen, wir versanken im wunderbar gemütlichen Bett, schliefen wie auf Wolken und frühstückten am nächsten Morgen wie im Himmel. Das alles ließ aber das lädierte Knie ziemlich unbeeindruckt und so entschieden wir uns, die Sauna des Hauses in Anspruch zu nehmen und uns die noch fehlenden 10km zu schenken. Es fiel uns beiden nicht leicht, die Tour abzubrechen, aber vom Vortag wussten wir noch, wie elendig lang sich 10km ziehen können, wenn das Knie einfach nicht mitmacht. Und es wäre dann einfach kein Genuss mehr gewesen. Wir befanden uns als sehr vernünftig, befanden das als ziemlich nervig, und versuchten das Beste draus zu machen.

Der Bus fuhr uns in flotten 10 Minuten direkt bis zum Wandermobil, wir ließen uns seufzend in die Autositze sinken und beschlossen dann, uns wenigstens noch Echternach anzuschauen.

Echternach beim Gromperefest

Zu unserem Glück waren wir just da, als das Gromperefest stattfand. Juhu – es gab überall Pommes, Kartoffelpuffer & Co. Bei herrlichstem Sonnenschein stärkten wir uns für die Rückfahrt und bummelten einmal durch die Altstadt. Das lohnt sich allemal! Und dann war’s auch schon wieder genug fürs Knie, sodass wir uns mit ein wenig Wehmut im Herzen auf den Heimweg machten.

Aber soll ich euch was verraten? Ich glaub, die letzten 10km haben auch weniger Highlights als unser erster Tag gehabt, insofern war das zu verkraften. Wir haben am Samstag einfach fast alles gesehen. Yeah!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert