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Wanderung auf den Cima Pari – 360°-Panorama und Wolkenspektakel in den Gardaseebergen

Die herrlich würzige Bergluft habe ich so vermisst. Während meine Gedanken sich im Nichts verlieren, tragen mich meine Füße zuverlässig Richtung Gipfel und der Schweiß rinnt mir die Stirn hinunter. Der Cima Pari ist mein erster richtiger Gipfel nach der Kugelfisch-Zeit und ein verdammt schöner noch dazu.

Aufstieg auf 1991m zum Cima Pari 

Hoch über dem Ledrosee ragt der grasbewachsene Cima Pari auf, von oben soll man ein wunderschönes 360° Panorama auf die umliegenden Berge der Brenta- und Adamello-Gruppe sowie auf den Ledro- und Gardasee haben. 

Unsere Tourvariante mit 640 Hm empfand ich als gut machbar für mich, also fuhren wir Serpentine für Serpentine hoch bis zur Alm Malga Trat, um dort unsere Tour zu starten. 

Ich war froh und glücklich, dass der Tag keine 30 Grad bereithalten würde, sondern zu Beginn nur lockere 16. Damit kann man einen Anstieg gut bewältigen – ich glaube, alles andere hätte mich auch fertig gemacht.

Der Weg Richtung Gipfel war sehr leicht zu finden, im Grunde ging es immer nur hoch und es gab sehr wenige Kreuzungen, an denen wir schauen mussten, wo es lang ging. Folgten wir zunächst einer Fahrstraße, bogen wir bald ab ins steilere Gelände und schraubten uns durch den Wald den Berg hinauf. 

Ich war der Meinung, dass ich nach meinen Übungstouren zu Hause in der Elfringhauser Schweiz oder auf den Brombeer-Pfaden schon wieder gut Höhenmeter würde laufen können. Jetzt wurde mir der Unterschied aber sehr deutlich vor Augen geführt: 400 Hm in der Elfringhauser Schweiz läuft man nicht am Stück. Hinauf zum Cima Pari lief man erst 400 Hm am Stück und nach ein wenig Hoppelei dann nochmal 240. Jaaaaa, auf einmal waren 400 Hm doch ne Ansage. Aber was soll ich sagen – wir zogen es durch, angefeuert davon, andere trotz Baby in der Trage überholen zu können. What a feeling! Also klar, Nico trägt die Kleine, nicht ich, ich bin nicht heiß drauf mir die kleinen Kilos auch noch draufzupacken. Und so konnten wir dann wohl doch ein gutes Tempo an den Tag legen.

Gipfelanstieg zum Wolkenspektakel auf 1991m

Als wir die ersten 400 Hm bis zu einem Sattel geschafft hatten, war ich so stolz auf mich und auch schon völlig feddich. Zusätzlich kam die Sonne zwischen den Wolken hervor und vertrieb sie langsam mit ihrer wärmenden Kraft. Mein Blick folgte dem weiteren Weg, der erst etwas hinab ging, um dann in den Gipfelanstieg überzugehen. Da war ich kurz etwas verzagt. Es sah so hoch aus, so weit.

Moment! Seit wann war ich so ne Pussy? Unsere Kleine schnarchte friedlich in ihrer Trage, kein Vorwand also, die Tour nur bis hier laufen zu lassen. Und wir konnten immernoch abbrechen, wenn es mir zu viel würde.

Also setze ich meinen Hintern in Bewegung, mit den anerkennenden Blicken einer italienischen Wandergruppe im Rücken. „Brave bambina“ mit ihren fast 4 Monaten, sagten sie. Das war für mich die Motivation den Gipfel zu erobern.

Wir wanderten durch schnell dahintreibende Wolkenberge, achteten bei jedem Schritt auf den feuchten Untergrund und hatten bald schon den halben Gipfel geschafft. Der leicht ausgesetzte Weg schlängelte sich am Cima Pari empor, die Bergspitzen der Brenta lugten aus den Wolken hervor. Manchmal erhaschten wir auch einen Blick auf das klare Blau des Ledrosees. 

Ich war froh, dass der Weg nicht matschig war und ich mich einfach nur auf meinen Eselsmarsch konzentrieren musste – ein Schritt nach dem anderen. 

Schließlich machte der Pfad eine Linkskurve und wir nahmen die letzten Höhenmeter über den Bergrücken in Angriff. Holla, ich brauchte 4 Stops, bis ich oben ankam. Aber ich kam oben an. Die Sonne schien, die Wolken rissen auf, was für ein Panorama! Und mit den Wolkenbergen noch interessanter als ich gedacht hätte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie lebendig ich mich dort gefühlt hab!

Wir blieben ein wenig dort oben, ich erhaschte immer wieder andere Bergspitzen mit der Kamera, wenn die Wolken vorbeiwaberten, sich neu formten. 

Der Abstieg vom Gipfel war derselbe wie hinauf, ich ging fast beschwingt, denn ich hatte es geschafft. Mein Herz lachte.

Aussichtsreiche Höhenwanderung zum Rifugio Nino Pernici 

An dem Sattel wieder angekommen schwenkten wir nach rechts und folgten dem Wanderpfad auf der Wiese entlang. Ich fühlte mich schon so, als hätten wir 3/4 der Tour hinter uns. Laut Karte waren es bislang aber eher 1/4 und der längste Teil lag also noch vor uns. Verrückt, wenn der Gipfel quasi am Anfang der Tour liegt.

Der kommende Bergpfad war aber jeden Meter wert! Es ist ein wunderschöner Höhenweg mit grandioser Aussicht Richtung Brenta. Die ganze Zeit über ist Trittsicherheit gefragt, denn rechts geht’s steil hinab. In vielen kleinen Kurven schlängelt er sich an der Bergflanke entlang, durch kleine kühle Wäldchen und über schotterige Felskanten. Irgendwann kommt dann das Rifugio Nino Pernici in Sicht – und hier steppte der Bär. 

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Wir lassen uns verleiten und legen eine letzte Rast ein mit Apfelstrudel und Graupensuppe. Jetzt sind es nur noch knapp 30 Minuten bis zum Startpunkt der Wanderung und ein schmaler Pfad führt unaufgeregt durch den Wald hinab zum Parkplatz. 

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