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2 Tage Hüttentour in den Tuxer Alpen – Bergliebe für ein Wochenende

Erschöpft, aber glücklich stand ich neben dem Gipfelkreuz des Rastkogels in den Tuxer Alpen. Lang würden wir hier nicht verweilen, ein paar sanfte Regentropfen machten, dass wir flugs unseren Proviant futterten, ein paar Fotos von dieser grandiosen Aussicht schossen und dann bald wieder abstiegen. Ach ja, den Geocache haben wir en passant natürlich noch mitgenommen.

Mit dem Nachtzug für ein Wochenende in die Alpen

Ich hatte wieder mal einen Plan. Ohne einen Tag freizunehmen, wollte ich mal eben fix fürs Wochenende in die Berge. Ich brauchte also eine Hütte mit Berg, die vom ÖBB Nachtzug aus irgendwo gut zu erreichen ist. Und natürlich sollte der Weg phänomenal und panoramalastig sein. Natürlich.

(Zum Artikel „Günstig mit der Bahn in die Berge“)

Nach einigem Suchen hab ich dann mein Goldstück von Tour gefunden. Mit dem Nachtzug von Düsseldorf bis ins österreichische Jenbach (Inntal), dann mit der Zillertalbahn ins gleichnamige Tal bis Mayrhofen, dann hoch mit der Penkenbahn, wandernd weiter zum Rastkogel und hinab bis zur Rastkogelhütte. Schlafen. Und am nächsten Tag wieder etwas hinauf zum Kreuzjoch, über Rauhenkopf und Arbiskopf bis zum Melchboden. Und ab hier dann ab mit dem Wanderbus ins Tal bis Hippach, mit der Zillertalbahn bis Jenbach und dort wieder in den Nachtzug nach Düsseldorf fallen. Soweit der Plan. Klar soweit?

Ich war wieder einmal mit Tine unterwegs, Mädelswochenende in den Bergen. Wir hatten leider das Pech, dass unser 6er Abteil im Nachtzug wirklich ausgebucht war. Es würde also kuschelig werden. Alles nicht schlimm, aber wenn das 10jährige Mädel nicht schlafen kann und nachts beim Zugrangieren in Nürnberg sich laut mit seiner Oma unterhalten will über absoluten Nonsense, dann kann so eine Reise schonmal anstrengend werden, aber wir wussten ja, was auf uns wartete.

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Bergsommer mit Blick zum Stillupsee

Kaffeelos und dezent müde erreichten wir unseren Zielbahnhof Jenbach, fielen einmal um auf ein anderes Gleis und fuhren nochmal für eine gemütliche Stunde mit der Bimmelbahn ins Zillertal rein. Dort gab es für uns beim Bäcker dann endlich Frühstück und Kaffee.
Wir tapsten einmal durchs Dorf, waren etwas überfordert mit den ganzen Menschen und zufrieden, als wir dann an der Penkenbahn einstiegen, um weiter oben am Berg weniger Menschen zu treffen.
Okay, ich weiß, gerade an den Bergstationen ist immer abartig viel los, aber je weiter wir uns von der Fress- und Spaßmeile am Penken entfernten, desto ruhiger wurden die Wege, desto einsamer die Bänke, desto fröhlicher mein Herz.

Die erste Zeit folgten wir immer einer Piste. Kein Highlight, aber ein entspannter Einstieg für die schmalen Pfade weiter oben. Wir liefen an einer weiteren Bergbahnstation vorbei und dann ging es endlich steil bergauf. Beinahe schlagartig wurde der Weg schmaler, steiler und wir waren fast für uns alleine. Bemerkenswert war, dass die Wanderer auf einmal wieder grüßten. Jetzt ging es mir gut.
Die Aussicht war seit unserem Ausstieg aus der Penkenbahn phantastisch. Ich hätte hier auch eine Bergbahn gebaut. Immer im Blick hatten wir die Ahornspitze mit ihren knapp 3000m. Der Stillupsee lag tiefblautürkis unter uns und die Vielfalt der sommerlichen Alpenblumen rahmte die perfekte Aussicht.

 

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Unsere wolligen Bodyguards
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Dieser Kuh geht’s alpinistisch gut

Von der Wanglspitze zum Rastkogel mit Schaf-Eskorte

Unser erster Zwischenstop war die Wanglspitze auf 2.420m. Hier gab es noch eine Bank, ein hübsches Kreuz, ein paar Wanderer wie uns. Wir legten eine längere Pause ein, mit dem Rücken im Gras, die würzige Bergluft in der Nase und die Augen geschlossen. Herrlich.
Ich drängte trotzdem bald weiter. Wir sind spät gestartet für die Tour und unseren höchsten Gipfel des Tages, den Rastkogel mit 2.762m, wollte ich gern bis spätestens 16 Uhr erreicht haben. Da lagen noch einige Höhenmeter vor uns.
Und was soll ich sagen, von nun an liefen wir allein durch die immer schroffer werdende Bergwelt. Alle, die noch die Bahn ins Tal kriegen wollten, sind wohl schon umgedreht. Wir waren allein am Berg, nur wir und ein paar Schafe.

Und die Schafe fanden uns enorm spannend. Zuerst begrüßten sie uns neugierig, knabberten verhalten an dem ein oder anderen Reißverschluss und schienen ganz verzückt zu sein vom Salz auf unserer Haut. Ich quiekte ein überforderte „Tine, tu was!“, als sie mich dann auf einmal immer mehr bedrängten. Jaja, Schafe sind blutrünstig und Teufelstiere… nicht. Ich weiß das, theoretisch. Aber Tine rettete mich, schob die Schäfchen zur Seite. Sie ließen uns passieren.
Wir stiegen weiter hinauf, immer weniger Grün, dafür mehr Felsen und Steine – in perfekter Harmonie zum aufgewühlten Himmel. Wird es noch Regen geben?
Die Schafe folgten uns mit ihren Glocken um den Hals, wie neugierig kann man bitte sein? Kurz vor dem Sattel machten wir eine kurze Trinkpause. Und dann, nachdem wir uns hingesetzt hatten, kamen die Schafe wieder um die Ecke. Ein Pionierschaf voran, die anderen halbscheu hinterher. Hömma, was geht, Leute? Die ganze Rasselbande hatte uns in kürzester Zeit wieder eingeholt. Wir machten, dass wir weiterkamen. Die Wolltiere nur einen Schritt hinter uns. Dann gab es Geblöke, der größte Teil der Herde bog ab. 3-4 Schafe folgten uns noch ein paar Meter, blieben dann wie an einer unsichtbaren Linie stehen, schienen unschlüssig, ihre Beute war ihnen entwischt, und drehten ab. Okaaaay… Wir sahen einfach zu, dass wir weiter kamen, und winkten zum Abschied.

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Auf dem Weg zum Rastkogel
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ein letztes Schneefeld unterhalb des Rastkogels

Nach einigem Auf und Ab, kurzen Pausen für Fotos und Blümchen blickten wir noch einmal hoch, 10 Minuten bis zum Gipfel des Rastkogels. Den Kopf im Nacken traf mich ein Regentropfen. Gna, was tun? Wir entschieden uns dazu, kurz hochzuflitzen, am Kreuz abzuschlagen und wieder hinunterzuflitzen. Ja, quasi genauso kam es. Nicht. Wir blieben oben am Gipfelkreuz für eine kurze Pause, die Sonne kam wieder raus. La vie est belle.
Bis wir in der Ferne ein deutlich vernehmbaren Donner hörten. Wir schauten uns nur an, ohne Worte packten wir zusammen und sahen zu, dass wir runterkamen. Gewitter am Berg ist das Letzte, was wir wollten.
Wir folgten den Schildern Richtung Rastkogelhütte, leider waren keine Gehzeiten angegeben, aber meiner Schätzung nach waren es noch etwa 3 Stunden. Bitte lass das Gewitter noch warten!

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Finally – Unser höchster Punkt der Tour, der Rastkogel mit 2.762m

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Durch Murmeltierland am Abend

Puh, so langsam wurde ich echt müde. Tine auch, ich sah es an ihrem Schritt. Aber 3 Stunden noch vor uns und irgendwo ein Gewitter ließen uns sputen. Immer einen Fuß vor den anderen und so landeten wir bald in einem sehr idyllischen Hochtal. Wir füllten unsere Trinkflaschen an einem Bach, genossen die Stille und sahen, dass das Gewitter ein Tal weiter reingezogen ist. Aufatmen. Ruhiger werden.

Wow, was für eine wunderschöne Gegend! Und dann hörten wir die ersten Murmeltiere. Das hohe Pfeifen hallte an den Wänden wider. Der späte Nachmittag ließ sie aktiv werden. Und dann sahen wir sie auch. Kleine und große, sie flitzten über die Felsen, beobachteten uns frech aus ihrer Deckung heraus. Dafür hatte es sich gelohnt, unfreiwillig so spät unterwegs zu sein. Mittlerweile war es 17.30 Uhr. Zum Glück hatte ich bereits vormittags auf der Hütte Bescheid gegeben, dass wir später kämen.

Mit der immer tiefer stehenden Sonne liefen wir in entspanntem Tempo leicht bergab. Schon seit dem Gipfel konnten wir unser Tagesziel sehen, aber es war noch so weit weg und kam gefühlt nicht näher – der Klassiker. Wir legten noch einen Stop ein, um Molche zu beobachten und erreichten bald sehr müde das Sidanjoch . Auch hier gab es keine Zeitangaben zur Hütte, aber weit konnte es nicht mehr sein, ich konnte quasi schon das Abendessen riechen.
Nach einer etwas ruppigen Begrüßung („Soooo spät haben wir nicht mehr mit euch gerechnet.“) aßen wir fix was, lernten dabei zwei netten Finninnen kennen (sie wollten mal echte Berge kennenlernen) und waren dann pünktlich zur Hüttenruhe im Bett. Licht aus und mit den Kuhglocken ins Reich der Träume gleiten.

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Spiegelsee

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In der Ferne die Rastkogelhütte

Sonntag – Abstieg mit Aussicht

Ein Donnern weckte mich. Oh nein, jetzt war das Gewitter doch hier. Na gut, wir hatten ja Zeit. Heute Abend um 21.06 Uhr ging unser Zug ab Jenbach, bis dahin war noch alles möglich.
Tine und ich frühstückten in Ruhe, laut Wetterprognose sollte es ab 9 Uhr besser werden. Und tadaaaa, pünktlich wie das Murmeltier konnten wir wirklich unsere Schuhe schnüren und losziehen.

Wir wählten den Weg über den schönen Grat oberhalb der Hütte über’s Kreuzjoch, den Rauhenkopf und den Arbiskopf, um dann zur Almwirtschaft Melchboden abzusteigen. Und dann Freunde der fleißigen Bewegung, ließen wir uns gepflegt vom Wanderbus ins Tal nach Hippach und sparten uns so die öden Asphaltserpentinen. Mein Herz geht einfach immer auf, wenn ich eine Wanderung direkt von einer Hütte aus starten kann. Und so kam es mir auch an diesem Sonntag völlig absurd vor, dass ich 48 Stunden zuvor noch seelenruhig in meinem Büro im Ruhrpott gesessen habe. Ein tolles Gefühl – ein Gefühl von richtiger Freiheit!

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Es regnet nicht mehr, aber die Wiesen sind noch nass
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Am Kreuzjoch
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Auf dem Grat Richtung Melchboden

Unsere drei letzten Gipfel zeigten sich von ihrer besten Seite. Die Pfade waren zwar noch etwas nass, jedoch ungefährlich gangbar, Wolkenberge türmten sich um uns herum auf, verschwanden wieder, leiteten uns über den Grat. An wenigen Stellen gab es seilversicherte Stellen, die nicht der Rede wert waren. Wir pausierten am Arbiskopf, sogen nochmal die unberührte Bergwelt mit allen Sinnen ein und stürzten uns dann in den Trubel der Tagestouris, die es vom Melchboden bis hier hoch geschafft hatten.

Der Rest ist schnell erzählt: Eine heiße Suppe in der Alm, ein super routinierter Busfahrer und eine Zillertalzugfahrt später saßen Tine und ich wieder in Jenbach am Bahnhof. So gut, dass es hier WLAN gab, unsere Wartezeit war also erträglich. Wir hatten dann im Nightjet ein 6er-Abteil für uns, yessssss, und gute Nacht. Ich hab geschlafen wie ein Murmeltier, erwachte Montag früh, als wir die Rheintrasse entlangfuhren. In Höhe von Bonn putzte ich mir die Zähne.

Nicht ganz erholt, aber noch mit einem Funkeln in den Augen saß ich um 10 Uhr wieder im Büro. Nein, das Wochenende war kein Traum. Es war einfach nur geil.

Tourdaten / 16,47km

Wegpunkte: Mayrhofen – Penken – Wanglspitze – Rastkogel – Sidanjoch – Rastkogelhütte – Kreuzjoch – Rauhenkopf – Arbiskopf – Melchboden

Die Daten bei GPSies sind nicht hyperkorrekt, ich hab sie im Nachhinein eingetragen.

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2 Kommentare zu “2 Tage Hüttentour in den Tuxer Alpen – Bergliebe für ein Wochenende

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