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Schneegestöber auf dem Kahlen Asten – Rundtour bis auf 842m

Es war der erste Schnee im November am Kahlen Asten. „Ist das echt schon Schnee?“, Tine und ich waren uns nicht ganz sicher, auf meiner Jacke schmolz irgendwas oder zerfloss es nur? Aber wir zogen trotzdem los und wurden bei unserer Tour durchs Sauerland nicht enttäuscht. Der Kahle Asten, zweithöchster Berg NRWs, zeigte sich bald in pudrig weißer Pracht, die Holländer zogen sogar schon ihre Schlitten hier hoch.

Der ursprüngliche Plan

Eigentlich hatte ich eine Tour durch die Eifel geplant, als Tine und ich uns verabredet haben. Ich hatte traumhafte Fotos gesehen, die diese Gegend im Winter zu einer prachtvollen Glitzerwelt machten. Tja, schade nur, dass das Wetter in NRW im November alles andere als winterlich ist. Die Wettervorhersage war gruselig mit Dauerregen, irgendwie wollte mir das nicht so behagen, aber das Wandern wollte ich auch nicht ausfallen lassen. Wir brauchten also eine Alternative. Mal kurz das GMV-Tool angeworfen und nachgedacht: mit gesundem Menschenverstand errechnete mein scharfsinniger Verstand, dass Regen in niederen Gefilden auch zu Schnee in höheren führen könnte. Brillant, nicht wahr? Aber kommt man in NRW hoch genug, um den Schnee zu erwischen?

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Wanderung zum Kahlen Asten auf 842m im Sauerland

Der Kahle Asten galt lange als höchster Berg NRWs, jetzt ist es der Langenberg, aber der Kahle ist natürlich immer noch ein heiß begehrtes Ausflugsziel mit schönen Wanderrouten. Meine Wahl fiel auf die Rundtour „Tief hinab & hoch hinaus“ mit knapp 11km, die sowohl auf den ‚Gipfel‘, als auch durch schönes Sumpfgebiet führte. Mit Schnee würde es herrlich aussehen. Im Regen würde es einfach nur matschig werden. So oder so, wir fuhren morgens im Dunklen los und erreichten zeitig unseren Ausgangspunkt. Ich muss nicht erwähnen, dass es die ganze Zeit wie aus Eimern schüttete, oder? Die Hoffnung war unser bester Antrieb. Angekommen in Winterberg konnte man erahnen, dass es vielleicht wirklich Schnee geben würde. Bittebittebitte!!!

Wir parken am Hotel ‚Astenrose‘ unterhalb des Gipfels des Asten, nicht ganz auf der Tourroute und nicht der vorgesehene Startort, aber super zum Parken. Man war direkt am Kahlen Asten, aber musste sich nicht mit den anderen Auto kloppen und auch keine Gebühren zahlen. Der Seitenstreifen war wie für uns gemacht. Wir waren die ersten.

Da es immer noch mehr regnete als schneite, liefen wir einfach los, in der Hoffnung, dass wir gegen Ende der Tour ein weißes Gipfelfest würden feiern können. Wir froren uns den Hintern ab, wir freuten uns wie Bolle. Mit im Team war heute Chiadah, eine süße portugiesische Wasserhündin, die absolut gerne mit uns wandern ging. Die Mädelstruppe war perfekt, wir waren soweit, dem Kahlen Asten entgegenzulaufen.

 

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Sauerländer Wald-Gemütlichkeit

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Durch Wald und über Wiesen, auf der Suche nach dem Winter

„Hömma, das Zeug bleibt ja jetzt an der Jacke hängen und auch im Fell von Chiadah“, Tines Erstaunen mischte sich mit einem kleinen Freudenhüpfer. Oha, mein Plan würde also aufgehen? Es wird doch keine Regenwanderung!
Mit der Kamera im Anschlag jagte ich gefühlt jeder Flocke hinterher. Aber irgendwie fiel der Schnee nur dort, wo wir nicht entlang wanderten. Ich schwör! Sobald ich dem schönen Weiß näher kam, wich es vor mir zurück. Die aus der Ferne geschlossene Schneedecke war doch immer nur leider ein Flickenteppich.
Wir tauchten in den Wald ein, der Schnee hatte es hierhin noch nicht geschafft, jedoch dicke Wolken, die gemächlich mit ihren Bäuchen über die Forstwege kratzten. Ein wenig spooky wurde es, aber auch gemütlich. Die Geräusche wurden alle etwas dumpfer, etwas gemächlicher.
Ich hatte dann bald Bock auf nen heißen Cappuccino, gern in ner Schutzhütte, denn der Wind war dezent frisch. Doch eine heimelige Hütte wollte einfach nicht auftauchen. Immerhin kam aber irgendwann eine Bank in Sicht. Ja, mitten im Wald und ungeschützt. Aber hey, Pause ist Pause.
Cappuccino war pronto geschlürft und die Pausenschoki ausgepackt. Die beiden Holländer, die an uns vorbeiliefen, staunten nicht schlecht über uns und grüßten uns länger als es üblich ist. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob sie es aus es Respekt, Neid oder Mitleid taten.

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Cappuccino-Pause bei 0°C

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Knarzende Holzstege im ersten Winterkleid

Je länger wir liefen, desto dicker wurden die Flocken. Langsam bekam ich sie auch gut auf den Fotos eingefangen, meine Motivation auf einen eisigen Gipfel stieg immer weiter an. Wie wunderschön die Landschaft im sanften Puder wirkt!

Und dann kam ein weiteres Highlight dieser Rundtour – der Abschnitt über Holzstege über die junge mäandernde Rhenau. Jetzt im Winter und mit uns als einzige ‚Spurenleger‘ hatte es fast etwas Sakrales. Die unbeschrittenen Planken, das Plätschern des Bachs neben uns und der winterliche Puderzucker über uns. Chiadah hatte auf den Stegen ihre helle Freude. So darf es gern weiterschneien.
An einer Stelle waren die Planken weggebrochen, hier ist wohl ein Baum draufgefallen. Es war kein wirkliches Hindernis, aber am Ende unserer Plankenwanderung hing rot-weißes Flatterband, um den Weg abzusperren. Upsa, auf unserer Seite war keins, ehrlich.

 

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Die gebrochenen Bohlen – Zeit für Panikfotos ;)

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Stürmisch hoch zum Kahlen Asten & zur höchsten Quelle

Das Wetter meinte es wirklich gut mit uns, fast zu gut. Denn der Schnee kam bei unserem Anstieg waagerecht. Die Kamera versteckte ich gut unter meiner Jacke, dort war sie sicher. Langsam wurde es echt kühl, ich hatte nur dünne Handschuhe an und ärgerte mich darüber, dass ich zu faul war, die dicken Handschuhe zu suchen. Wir überquerten einen menschenleeren Parkplatz direkt neben dem Sahnehang, einem Skihang mit faszinierendem Namen. Es graute mir ein wenig davor, wie es hier wohl zur winterlichen Hochsaison zugehen würde und ich genoss einfach den kurzen Moment der Stille.

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Der Gipfel war nun nicht mehr weit, meine Kalkulation ging perfekt auf, denn auf unserem höchsten Punkt der Tour mit 842m schneite es auch am meisten. Der Kahle Asten hat ein paar Jahre Hype hinter sich. Breite Zuwege, teure Parkplätze ganz oben, ein großes Restaurant und weite Wiesen, auf denen im Sommer gepicknickt werden kann. Der Ausblick muss an Tagen mit guter Fernsicht wirklich beeindruckend sein, dann lohnt wohl auch der Auftsieg auf den Astenturm. Heute suchte mein Blick die Wolkenformationen in der Ferne. Sie verschmolzen förmlich mit dem Schnee auf dem Gipfelplateau. Nur die dunklen Baumgerippe zeichneten eine unruhige Grenze zwischen Himmel und Erde.

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Am Gipfel des Kahlen Asten

Lange hielten wir es nicht aus dort oben, der Wind zog überall rein. Der Holz-Steinbock vor dem Restaurant wurde noch kurz von Tine und mir geknutscht und mit einem kurzen Gruß wanderten wir weiter. Bevor wir bergab zum Ausgangspunkt liefen, lag noch die höchste Quelle NRWs auf unserem Weg: die Lennequelle. Sie tröpfelt munter und unspektakulär aus einem Felsen heraus. Ein leicht verwittertes Schild macht auf sie aufmerksam. Ich glaube, im Sommer kann man hier gut rasten und seine Jause futtern. Aber jetzt zog es einfach nur durch jeden Kleidungsschlitz wie Hechtsuppe. Danke, ich will jetzt ins Warme.
Wir waren natürlich hier oben nicht die einzigen. Aber ich glaube, dass wir die einzigen Deutschen waren. Das
Sauerland ist fest in holländischer Hand und so amüsierte es uns nicht wenig, dass bei den 1.5 cm Neuschnee ein Holländer schon mit seinem Schlitten versuchte, vom Fleck zu kommen. Außer gruselig knirschende Plastik-auf-Stein-Geräusche bewegte sich sein Gefährt aber kein Stück. Aber niedlich diese Holländer.

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Jetzt war es wirklich Zeit, die Flucht zu ergreifen. Eine völlig übersteuerte Après-Ski-Mucke aus einem Handy einer der Vorbeiflanierenden bestätigte uns darin. Ich musste ganz schnell weg. So leicht kann die Stimmung versaut werden.
Tine und ich liefen mit Chiadah den letzten Kilometer zum Auto hinunter und freuten uns die ganze Zeit über die schöne Tour
und unser Schneeglück. Es hätte genausogut in einer rutschigen Matschpartie enden können.
Chiadah bekam im Auto schmatzige Leckerchen und eine Decke zum Kuscheln. Sobald ich den Motor gestartet hatte, rollte sie sich zusammen und schlief
ein. So blieb sie die gesamte Rückfahrt hindurch und ich hoffte, sie würde vom Schneeflockenjagen träumen.

 

 

Die Tourdaten:

 

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