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Kleine Wanderung am Monte Brione – leichtfüßig über den dicken Wal vom Gardasee

Es ist natürlich nur eine Assoziation, andere nennen den Monte Brione umgefallenes Kuchenstück, andere Sichelmond und ich eben gestrandeter Wal. Wichtig ist ja vor allem, dass hier ein Wanderweg mit grandiosen Aussichten drüber führen und die Zeitmaschine angeworfen wird, wenn man entlang von alten grauen Bunkeranlagen wandelt, die im harten Kontrast zu der satten grünen und blühenden Natur stehen. Die Wanderung über den Monte Brione ist eine abwechslungsreiche Einsteigertour, die perfekt für gute Aussichten am Gardasee ist.

Von der Flosse über den Kopf hinunter entlang des Bauches – unser Rundwanderweg

Jetzt spiele ich so mit dem Begriff des Wals, dabei muss ich fairerweise sagen, dass die Assoziation nicht von mir kommt, sondern von Freunden, die mit uns am See waren. Wir hatten mit ihnen eine tolle Woche mit so vielen wunderschönen Momenten des dolce vita, mille grazie!

Und was soll das jetzt genau mit dem Wal? Der Monte Brione will nicht so ganz ins Bild des Gardaseeufers passen. Am Nordufer liegt er einfach so rum mit einer maximalen Höhe von 376 m, als ob einst ein Wal vom See her hier gestrandet ist und dann versteinerte. Bums, einfach so. Das Ufer um ihn herum ist fast plan, die letzte Eiszeit hat alles plattgemacht. Nur nicht den Wal, der bleibt. Und auf seinem Rücken kann man herumlaufen. Am besten kann man den Wal sehen, wenn man auf der Klettersteig-Runde Cima Rocca unterwegs ist.

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Blick auf den Wal vom Castello di Arco

Über den Sentiero della Pace zu alten Bunkeranlagen und einem Schmetterlingsparadies

Die Tour, die wir uns herausgesucht hatten, war ein gemütlicher Rundweg, etwa 6 km, auf einfachen Wegen und mit wunderschönen Ausblicken. Im Endeffekt haben wir die Wege nicht alle so gefunden, wie es geplant war, aber bei Outdooractive findet ihr alle Daten, so wie es auch bei uns hätte sein sollen. Wir sind den Weg nur anders herum gelaufen.

Geparkt haben wir, wie auch in der Tourenbeschreibung, am Porto San Nicolo in Riva del Garda – es ist ein Bezahlparkplatz, aber gerade im Sommer hat man unten am Ufer sonst keine gute Chance, kostenlose Parkplätze zu erwischen. Die Parkgebühr betrug 1,50EUR pro Stunde; nicht günstig, aber dafür war die nächste Eisdiele nicht weit entfernt.

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Halbschatten im Aufstieg
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Wir schauen auf Torbole und das Badeufer
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Windstill ist es nie am Nordufer

Der Aufstieg verlief über schmale Pfade, die glücklicherweise angenehm schattig lagen. Auf dem Monte Brione gibt es bis zu 20 verschiedene wilde Orchideenarten, manche wachsen im gesamten Trentino nur hier auf dem Wal. Als wir da waren, habe ich keine gesehen (das heißt aber nichts), dafür blühten aber die Kakteen.
Zudem ist der Berg ein Paradies für Schmetterlinge – wir haben für den Aufstieg deutlich länger als geplant benötigt, da wir immer wieder den großen Segelfalter vor die Linse bekommen wollten. So ein majestätischer Schmetterling! Er kann mehrere Minuten mittels Thermik in der Luft ohne einen einzigen Flügelschlag verbringen und er ist so groß wie meine Handfläche. In vielen Teilen Europas ist er gefährdet oder sogar schon ausgelöscht – umso schöner, dass wir hier bestimmt fünf Exemplare von ihnen um uns herum schweben hatten. Die beste Zeit, um ihnen zuzuschauen ist zwischen Mai und Juli.

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Der Segelfalter kann mehrere Minuten ohne einen Flügelschlag in der Luft segeln

Auf dem Buckel des Wals liegen versteckt im Berg zahlreiche alte Bunkeranlagen. In manche kann man sich reinschleichen, Geschichte atmen und sich danach wieder über die warmen Sonnenstrahlen freuen. In der größten Anlage hier oben fanden bis zu 200 Soldaten Platz. Und über 200 Jahre lang war diese Bastion hier oben ein zentraler Punkt bei den Grenzkriegen zwischen Ungarn und Österreich. Was für ein Bullshit damals!
Kalter Beton wird langsam verschlungen von der grünen überbordenden Pracht. Unschuldige Blümchen und andere Wanderer wie wir zeigen, dass sich glücklicherweise auch solche Orte ändern; sie brauchen nur Zeit.

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Die alte Bunkeranlage auf dem Monte Brione
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Blick gen See – einfach traumhaft

Ich finde es befreiend, hier oben zu stehen, so einen grandiosen Blick auf den Gardasee zu genießen und keine militärisch-strategischen Gedanken zu hegen. Es ist ein Ort des Friedens geworden. Unser Auftsieg hierhin, am Steilhang des Berges entlang, wurde passenderweise auch Sentiero della Pace getauft.

Wir sind dieser Flanke weiter gefolgt und haben dann… na ja,… nicht die Route bergab genommen, die wir eigentlich haben nehmen wollen. Ich glaube, wir haben eine MTB-Strecke erwischt, zumindest war sie ordentlich steil und unbefestigt. Folgt man einem versteckten Weg zu den Sendeanlagen hinauf, rechts daran vorbei, landet man am alten Gipfelkreuz, tja und dann sah es so aus, als würde dort auch ein Weg hinunterführen. Tja, ähm… nicht wirklich.

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Im Abstieg durch Olivenhaine

Also, solltet ihr auch mal dort oben landen, dann lauft besser wieder zurück zur Bunkeranlage, von dort findet ihr den normalen Weg vom Rücken des Wals hinab. Irgendwann fanden wir auf den normalen Weg wieder zurück – er führt durch rauschende Olivenhaine, vorbei an summigbrummenden Wildblumenwiesen wieder zurück nach Riva del Garda. Und dann? Natürlich ein Eis!

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