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Ferrata Sasse am Idrosee – Im Land von Enid Blytons 5 Freunden

Versteckt unterm Blätterdach setzten wir unsere Füße konzentriert einen vor den anderen. Der schmale erdene Pfad schmiegte sich eng am Hang entlang. Manchmal als leicht ausgesetzter Wanderpfad, manchmal als leichte Kletterei, immer begleitet vom sanften Rauschen der grünen Wipfel – ein Segen zu dieser Jahreszeit. Der Via Ferrata Sasse am Idrosee ist perfekt für einen leichten Klettersteig im Sommer, der einen durch die Welt von Piraten und Schmugglern führt.

Wir hatten uns den Ferrata Sasse aus einem bestimmten Grund ausgesucht – er liegt an einer westlichen Bergseite, die also erst ab späterem Mittag direkte Sonne bekommt. Ich bin ja sonst nicht so empfindlich, was Hitze angeht, bin ein Kind des Sommers. Zumindest dachte ich das bislang immer, aber am Gardasee im Juni bin sogar ich dazu übergegangen, dass Touren nur bis mittags möglich waren und danach das erfrischende Blau des Sees zu verlockend rief. Danach war es einfach zu brutal warm und mein Gelato-Spiegel war zu tief gesunken.

Der Ferrata Sasse ist ein leichter, aber sehr schnuckeliger Klettersteig für Entdecker. Große Teile, gerade im ersten Teil, sind meiner Meinung nach als Wanderwege einzustufen. Erst gegen Ende wird es etwas kraxeliger, die letzte B/C Stelle macht dann richtig Laune.

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Morgens durch den See – da schwimmt einer mit seinem Packsack

 

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viel ausgesetzter Weg und oft mit Blick auf den Idrosee

Vom Ufer aus mussten wir erst einmal an Höhe gewinnen und stiegen einige Stufen im Wald empor. Hier ist 1A Froschland! Wir waren morgens da und auf jeder Treppenstufe hockte ein süßer Minifrosch, der sich wohl arg wunderte, dass wir schon unsere komplette Ausrüstung trugen.
Na ja, unten am See gab es bereits die Instruktionstafel zum Klettersteig, wir haben also artig die Vorgaben befolgt. Jetzt wissen wir, dass es eine Etage weiter oben kurz vor dem wirklichen Einstieg eine weitere Tafel gibt mit den gleichen Hinweisen. Aber man ist ja gut erzogen und hält sich an die Schilder. Sonst gibt’s am Ende ein Loch in den Kopf, das wäre doof.
Wir passierten kurz eine Schotterstraße, um dann an besagtem Schild anzukommen. Ab hier geht es also wirklich los. Der Pfad taucht ab in den Wald, er ist bereits gut ausgetreten. Am meisten musste ich hier aufpassen, dass ich nicht über Wurzeln oder Steine stolperte. Auch wenn der Weg hier leicht war, so war er doch recht ausgesetzt und man würde erst wieder am Wasser stoppen, wenn es hart auf hart kommt.

 

Overdressed am Klettersteig?

Und trotzdem – etwas irritiert war ich vom Weg und kam mir overdressed vor im meiner vollen Klettersteigausrüstung. Wir liefen auf steinigem Pfad am Idrosee entlang, immer leicht abwärts. Bald folgten einige Bänder, die als Schwierigkeit A/B angegeben hatten – genug Zeit zum Blödsinn machen. Ich fühlte mich bei den meisten Stellen zwar sicherer mit einer Seilsicherung, auch wenn die Passagen wirklich unkritisch waren für mich. Bei nassem Wetter würde ich hier aber nicht entlang wollen, da dann die Mischung aus Geröll und Laub doch etwas unlustig werden kann.

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Dankbar über jedes bisschen Schatten, der von den Bäumen kam, hatten wir aber auch nur sporadisch einen guten Blick auf den See. Immer weiter führte uns der Weg in etwa 8 Metern oberhalb entlang mit steil abfallendem Hang. Wir tauschen den Pfad immer wieder gegen kurze Kraxelpassagen ein, wenn wir uns am Fels direkt entlanghangelten. Eine spaßige Sache mit Abenteuerfeeling.
Es gibt insgesamt drei Notausstiege bei diesem Ferrata, alle führen sie hinunter zum Wasser und sind an solch heißen Tagen wie heute eine wirkliche Verlockung. Einfach abseilen, kurz abkühlen und weiter. Oder einfach den Steig hier beenden und durch den See zurückschwimmen? Ohne wasserdichten Packsack keine gute Idee, sonst aber gar nicht sooooo abwegig. Zumindest haben wir morgens einen Typen gesehen, der einfach durchgeschnorchelt ist – wo auch immer er her kam – „snorkel to work“ oder so.

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steile Stelle, schöne Griffe
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oft geht es über schmale Bänder

Und dann kam eine erste steilere Passage, es ging am Fels bergauf, an knorrigen Wurzeln vorbei, die als angenehme Griffe dienten. So blank wie sie sind, nutzen sie wohl alle Ferratisten.
Unter uns glitzerte der See, als wir um diese Felsnase herumkletterten. Von nun an wurde der Weg deutlich spannender, mehr Kraxelpassagen und das Highlight des Klettersteigs voraus: die Hängebrücke über eine Minibucht, Enid Blyton hätte diesen Ort geliebt. Ich sah schon George (natürlich meine Lieblingsfigur), Richard, Julian und Anne zusammen mit Timmy hier entlanglaufen, auf der Suche nach einem geheimen Schatz.

Über eine steile Klammerung ging es hinan bis fast zum Seeufer. Die Tritte waren in super Gehweite, im Grunde steigt man eine Leiter hinab. Und dann kam die Brücken-Fotosession. Mit dem türkisfarbenen See unter mir und dem satten Grün hinter mir sind im Grunde alle Fotos dieser Szene ein Traum.

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Leiter zur Hängebrücke
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Abstieg zum Ufer
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Balance, baby!

Der nun folgende Abschnitt des Ferrata schleicht sich unten am See entlang. An glatten Felsen mit einfachem Tritt. Ich genoss dieses Kleinod, diesen versteckten Pfad, und träumte davon, wie hier einst Piraten mit Schätzen entlangliefen, wie eben in Enid Blytons Geschichten. Okay, ist a bisserl kitschig und unrealistisch – aber hey, ich bin halt mit den 5 Freunden groß geworden.

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5 Freunde-Feeling am Idrosee
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B/C-Stelle mit Seeblick
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Ende. Finito. Gerade Lust auf mehr bekommen :)

Eine etwas längere steile Passage direkt hinauf am Fels ist die schwierigste B/C-Stelle des Steigs. Ich hab danach Bock auf mehr bekommen, doch der Ferrata ist zu Ende. Nun läuft man auf einem ausgesetzten Wanderweg zurück Richtung Campingplatz. Dieser Sentiero del Contrabandieri bot wieder einige Blicke auf den See. Ich muss aber sagen, dass ich unten die Passage direkt am See entlang noch viel traumhafter fand.

Ferrata Sasse – mein Fazit für Blyton-Abenteurer

Der Ferrata Sasse ist für mich ein sehr leichter Klettersteig gewesen, den ich aufgrund seiner perfekten Schattenlage am Vormittag gewählt habe. Die Natur um den Idrosee herum ist nicht so sehr mediterran, wie ich es erwartet hätte. Viel Laub, viel Wald, viel grün. Es hätte also auch gut England sein können, wenn es nicht so heiß gewesen wäre.

Ein echter Klettersteig also? Sweet one, würde ich sagen. Es war vor allem ein Flashback in meine Kindheitsabenteuer. Alles erinnerte mich so krass an die Schmugglerwege aus den Geschichten der fünf Freunde von Enid Blyton – außer meiner Ausrüstung, die war dann doch nicht ganz im Blyton-Stil.
Aber diese schmalen zugewachsenen Wege, das glitzernde Wasser, die rauen Felsen, diese vermeintliche Abgeschiedenheit, ein Traum für jedes Abenteuerherz! Jetzt im Sommer haben wir nur zwei andere Leute getroffen, es war herrlich einsam. Es gibt immer wieder ruhige Ecken, die zu ausführlichen Pausen einladen und die Geschichten von den fünf Freunden vor dem inneren Auge wieder wahr werden lassen. So hat es sich damals angefühlt, genau so.

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Rückweg über den Wanderweg mit tollen Pause-Ecken

Um genau so ein Glücksgefühl wie ich zu haben, solltet ihr den Steig in der Richtung laufen, wie in den Beschreibungen angegeben. Am Campingplatz starten, denn dann kommen die Highlights am Ende der Tour und über den Via Contrabandieri läuft man mit einigen guten Ausblicken wieder zurück. Und nachdem man das obligatrische Eis in Riva gefuttert hat, zieht man sich in Ruhe zurück und schaut, ob man nicht irgendwo im Internet einen der Romane auftreiben kann, die man als Kind mit Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen hat.

> Infos und Topo zum „Ferrata Sasse“ gibt es hier

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