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Hochzint und Passauer Hütte – Wanderung auf die Steinberge

Das Gute an dieser Wanderung ist, dass man einfach laufen kann, die Steigung ändert sich nicht. Und es macht es viel leichter, wenn die bessere Hälfte hinter einem ausrechnet, dass man dann stetig eine 25%ige Steigung läuft. Absolut leichter. Aber hey, genau deswegen machen wir es doch, oder? Dieses ‚Wandern‘.
Wir laufen die Tour ganz klassisch vom Wanderparkplatz Uhlental aus, keine 10 Minuten mit dem Auto von Leogang und unserem Honeymoon-Basecamp entfernt. Als wir um 8 Uhr am Parkplatz starten, stehen schon ein paar Fahrzeuge dort.

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Na klar, wenn man noch eine längere Tour vor hat als wir, sollte man den frühen Vogel jagen oder man bleibt einfach ein paar Tage auf der Hütte und nutzt sie als Ausgangspunkt. Wir sind ’nur‘ bis zur Passauer Hütte gelaufen, mit einem Abstecher zum Hochzint mit Panorama und dann wieder runter. Beim nächsten Mal muss ich unbedingt auf dieser Hütte übernachten.

Unterm Blätterdach gen Passauer Hütte

Es ist bei dieser Tour echt von Vorteil, früh zu starten, da sich der gesamte Anstieg auf der Südflanke der Steinberge entlangzieht – sobald man aus dem Schatten der Bäume tritt, brät die Sonne einem im Sommer die Birne weg.
Zum Glück verläuft der Pfad sehr lange durch Wald – von unserem Standort aus ist es die einzige grüne ‚Nase‘, die sich wirklich auf so einer langen Strecke den Berg hochzieht – definitiv von Wanderern für Wanderer angelegt.

Der weiche Waldboden federt bei jedem Schritt und über Wurzeltreppchen steigt man immer weiter in vielen Kehren hinauf.
Immer mal öffnen sich links und rechts die Bäume und zeigen die schroffe Geröllandschaft, die sich neben unserer grünen Zunge entlangzieht. So stark wie die Steigung hier ist, ist es kein Wunder, dass so viel Fels abgeht. Nur Gämsen fühlen sich auf dem Terrain pudelwohl.

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Irgendwo im unteren Bereich beginnt der Leoganger Süd Klettersteig. Nix für mich, ist mir noch ein bisschen zu fies mit D-Schwierigkeit, aber irgendwann traue ich mich. Heute folgen wir stattdessen dem Wanderpfad und verlassen dann doch irgendwann das schattenspendende Blätterdach. Ab jetzt wird es noch dämpfiger, schwitziger, steiler: Geiler.

Der zivilisierte Weg

Der Wanderweg zur Passauer Hütte ist einfach ein sehr beliebter Weg, das ist ja auch per se gar nicht zu beanstanden. Irritiert war ich dann aber doch, als im Geröll auf einmal Betonstufen an schwierigeren Stellen auftauchen. Hoppla, was für eine Verschandelung. Würde ich das authentische Bergerlebnis bewerten wollen, würde diese Passage ein Sternchen weniger bekommen. Aber da sich beim Aufstieg immer wieder Gedenktafeln finden, ist eine gescheite Sicherung des Weges absolut sinnvoll – nur Betonstufen hätten es nicht sein müssen.

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Wir lassen diese Passage schnell hinter uns und stapfen weiter den ausgesetzten Stieg hinauf. Unser Zwischenziel ist das Fahnenköpfl, ein Joch nicht mehr weit von der Hütte entfernt. Ab hier ist es nicht mehr so steil, dafür aber noch ausgesetzter und gefühlt noch gerölliger – Konzentration ist gefragt.

In einem gefühlt vollendeten Halbrund bewegen wir uns am Hang entlang zur Passauer Hütte. Man kann sie vom Joch schon sehen, zwischen ihr und uns muss noch ein ‚Krater‘ umrundet werden. Ich habe hier wirklich das Gefühl, an einem Vulkan entlang zu laufen: der Bogen, der die Bergflanke beschreibt und der ausgesetzte Weg tief ins Nichts hinab machen ein wenig schwindelig.

 

Hinter mir ein Krachen

Da das Wetter wirklich wechselhaft ist, wissen wir nie, wie viele Kleidungsschichten gerade sinnvoll sind. Winddicht ja oder nein? An, aus, nicht zu viel schwitzen. Ach leck mich doch… Als wir den ‚Kessel‘ schon halb umrundet haben, ziehen wir uns unsere winddichten Jacken wieder aus – zu warm!

Weiter geht’s und dann höre ich es: Hinter mir ein Krachen, ein Laut, den man in den Bergen niemals hören möchte. Nur für eine Millisekunde bleibt mir das Herz stehen – Nico ist hinter mir, ich sehe ihn nicht, ich höre nur dieses Krachen. Schnell umgedreht und ausatmen: ’nur‘ der orangefarbene Helm von Nico kullert den Pfad hinunter. Puh. Und dennoch – Helm verlieren wäre auch uncool, wollten wir doch eventuell noch oben einen Klettersteig zum Birnhorn gehen. Der Helm kullert, ob seiner Farbe, wie eine Orange den Berg hinunter. Ich warte nur drauf, dass er gleich Adios sagt und dann ins Nichts hinunter fällt. Das wäre blöd, aber nicht dramatisch. Und da bleibt er liegen, mitten auf dem Weg. Danke! Es wäre doch echt schade gewesen.

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Nico geht die 200m zurück und sammelt seinen Helm ein – ich bin immer noch erstaunt, dass er nicht weg ist, der Weg scheint wirklich gut ausgetreten zu sein – der Helm ist ‚in Spur‘ geblieben. Ein letztes Mal wenden wir uns um und sehen der Hütte entgegen. Nur noch ein paar Minuten, dann stehen wir oben auf dem Kamm, blicken hinüber ins andere Tal und stiefeln die letzten Meter zur Passauer Hütte. Wow, die Lage ist wirklich phänomenal – hier ist es, glaube ich, nie windstill, aber man hat immer eine wundervolle Aussicht! Das Highlight der Hütte ist aber eigentlich Frieda. Frieda lässt sich sehr gerne kuscheln, wunscheln und aalt sich gern in der Höhensonne. Frieda ist die Hüttenkatze – hier würde ich auch Katze sein wollen!

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Unser Plan war es, früh loszuziehen, an der Hütte eine kurze Rast einzulegen und dann weiter zum höchsten Gipfel der Leoganger Steinberge zu wandern, dem Birnhorn mit 2.634m. Weil es dorthin ein leichter Klettersteig sein sollte, haben wir artig unsere Klettersteig-Ausrüstung mitgeschleppt. Und dann steht man dort oben, nicht ganz fit, aber verdammt motiviert und sieht das Birnhorn beim besten Willen nicht. Überall nur Wolken. Was soll das denn? Unsere Rast gestalten wir dann etwas länger als geplant, vielleicht reißt es noch auf, es ist ja noch früh.

Okay, dann wurde es zeitlich langsam blöde. Zum Birnhorn und zurück braucht man schon noch so vier Stunden plus Abstieg. Unser Dinner im Salzburger Hof wollten wir auf keinen Fall verpassen, das wäre skandalös gewesen, so lecker wie es dort ist.

Hinzu kam noch, dass ich mein Knie merkte. Mal wieder. Und das jetzt. Leider war es nicht geplant, dass wir auf der Hütte blieben über Nacht, daher hatte ich im Hinterkopf immer die 1.400Hm, die es später am Tag wieder abzusteigen galt. Wie absolut schön also, dass das Birnhorn einfach nicht aus seiner Wolkenkuscheldecke raus wollte, dann lohnt es sich ja quasi gar nicht, dort hochzulaufen. Also, jetzt mal ernsthaft…

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Ein Knie, eine Entscheidung

Wir waren so gut in der Zeit, aber wir haben die Vernunftentscheidung getroffen, dass wir den höchsten Gipfel der Leoganger Steinberge heute nicht mitnehmen würden.

Na gut, dann aber vielleicht einen anderen Gipfel? Von der Hütte aus konnten wir sehen, dass der exponierte Hochzint frei war. Das waren nur 20 Minuten von der Hütte entfernt und es soll von dort oben ein tolles Panorama geben. Juppi, das hält mein Knie noch aus!

Dann mal auf zum Gipfel-Run!

Zufrieden auf dem Hochzint auf 2.246m

Es war einfach die richtige Entscheidung. Als ich am Gipfelkreuz saß, meine Stulle mampfte und ins Tal hinabblickte, wusste ich, dass es gut so war. Bis zum Gipfel konnte man noch ein wenig kraxeln, die Hände kamen zum Einsatz, aber es hat mit meinem Knie alles gut geklappt und das Beste: Ich habe noch meinen Gipfel bekommen! Zwar nicht den höchsten des Massivs, aber einen für mich heute machbaren. Unsere Klettersteigausrüstung haben wir leider nicht benötigt, aber hey, das war Lastentraining – schadet nie.

Gipfel-Hochzint-Österreich

Wenn man schon zum Hochzint wandert, kann man auch noch gut das Melkerloch auf dem Rückweg mitnehmen – ein eindrucksvolles Felstor, das ein wunderchönes Panorama bietet. Tja… wir haben davon gehört, als wir wieder an der Hütte waren. Für euch, die ihr mal zum Hochzint laufen möchtet, sei hier gesagt: Es gibt ein tolles Felstor! Ich werde es mir dann ein andern Mal anschauen.

Variante: Rundweg mit Herausforderung

Unser Abstieg verlief dann über den gleichen Weg wie morgens der Aufstieg. Ich finde Rundwege ja persönlich spannender, aber hier war es einfach so eindrucksvoll, dass es keine Rolle spielte. Wer trotzdem hier eine runde Tagestour machen möchte, kann auch wie folgt laufen (und bitte genug Zeit einplanen):

Start ist in Leogang, grob an der Maureralm, dann folgt man dem Jägersteig (Weg 17) bis zum einzigen Wasserlauf, den man kreuzt. Und dann geht es ab in die Rinne hoch hinauf aufs Massiv. Man schleicht sich dann von hinten über die Ritzenkarscharte ans Birnhorn ran und läuft dann über die Passauer Hütte wieder über den Normalweg hinab.

Achtung: Dieser Weg wurde von mir nicht ausprobiert, sondern beruht auf einem Tipp eines Locals. Es verläuft durch eine extrem steile Rinne und die Tour muss sehr früh gegangen werden, um noch ein wenig Zeitpolster zu haben. Alternativ kann man natürlich auch nur an einem Tag bis zur Passauer Hütte laufen und dort dann einen garantiert fulminanten Sonnenuntergang erleben.

Für uns war die Tour bis zum Hochzint auf jeden Fall ein eindrucksvolles Erlebnis, da die Leoganger Steinberge so wunderbar exponiert stehen – ich habe meine Aussicht und meinen Gipfel bekommen! Nächstes Mal geht es dann bis zum Birnhorn hoch!

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Ein Gedanke zu “Hochzint und Passauer Hütte – Wanderung auf die Steinberge

  1. Sexy Nico, Deine Wanderhosenkombi mit den guten baumwollnen Strümpfen in Grün :-D
    Mir ist mein orangefarbener Kletterhelm damals im Karwendel davongeschlittert. Leider konnte ich den nicht mehr retten. Hoffe er bietet einer Vogelfamilie Obdach, oder ähnliches.
    Jedenfalls eine spannende Story!
    Aber: gdgna! ;-)

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