Der Duft von 1001 Nacht – Im Rausch von Istanbul (für 48 Stunden)

Nach unserem Kurztrip nach Kappadokien im April diesen Jahres hatten wir noch zwei Tage Istanbul eingeplant. Viel zu wenig, ich wusste es vorher und ich kann es auch jetzt bestätigen. Aber allein diese 48 Stunden haben mich verzaubert und Istanbul sofort auf Platz 1 meiner Lieblingsstädte katapultiert. Meine bezaubernde Kollegin im Büro hat mich bei der Urlaubsplanung immer wieder mit Geschichten aus der Stadt von 1001 Nacht geködert und sie mir mehr als schmackhaft gemacht. Und meine Kollegin hat absolut recht. Jetzt seid ihr dran, euch in den Sog der pulsierenden Stadt voller Gegensätze ziehen zu lassen.

Istanbul ist ein einziger Ameisenhaufen, laut, überfüllt, mit Händlern, Taschendieben, Bettlern und Myriaden von Touristen. Man steht bei fast allen Sehenswürdigkeiten Schlange und zwängt sich durch so volle Gassen, dass Kinder wegen der Enge anfangen zu weinen…
Aber auf der anderen Seite ist es ein Ort von absolutem Multikulti, türkischer Gelassenheit und fantastischen Sehenswürdigkeiten. Der Duft von Baklava, Gewürzen und gerösteten Maronen liegt einem ständig in der Nase und lässt einen die Stadtluft wohlwollend tief in die Lunge einsaugen.

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Phantastisches Lampenmeer im großen Bazar

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In den ersten 24 Stunden haben wir fast alle großen Highlights der Altstadt abgeklappert. Es war hektisch, aber durchaus machbar:

  1. Der Topkapi-Palast, Wohnsitz des letzten Sultans bis 1921, samt Harem, ist ein gewaltiger, geschichtsträchtiger und schöner Ort. Der Prunk ist unglaublich und viel zu verschwenderisch, aber die Kuppelbauten, die typischen blauen Iznik-Fliesen und die grünen Innenhöfe zeigen einem eine Historie, die so unwestlich ist und von der ich beschämend wenig wusste.
    Hier kann man gut und gerne einen halben Tag und mehr verbringen, wenn man alle Räume erkunden und sich in die lange Schlange zur Schatzkammer einreihen möchte.

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    Absoluter Reichtum im Topkapi-Palast

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  1. Die Hagia Sophia ist von außen keine Schönheit, aber sie hat auch schon ein paar turbulente Zeiten hinter sich, man sehe ihr ihr raues Äußere nach. Einst als orthodoxe Kirche gebaut, wurde sie zur Moschee umfunktioniert und ist heute Wahrzeichen für das Zusammenspiel verschiedener Religionen. Ihre irrsinnig hohe Kuppel und der prachtvolle Dekor aus christlichen und muslimischen Details lässt einen in Ehrfurcht erstaunen.
    Wir hatten das Glück, einem Muezzin lauschen zu können, als wir dort waren. Die Akkustik ist perfekt, die Atmosphäre bereitet einem Gänsehaut und man kann nicht anders, als zu verweilen und sich faszinieren zu lassen.

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    Hagia Sophia – heute Museum, einst Kirche und Moschee

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    Hagia Sophia in voller Pracht
  2. Die blaue Moschee ist fußläufig keine 10 Minuten entfernt von der Hagia Sophia und gilt als eine der schönsten Moscheen. Sie wird, anders als die Hagia Sophia, noch heute als Moschee genutzt.
    Dem Respekt der muslimischen Religion gegenüber zieht jeder Tourist beim Besuch seine Schuhe aus und Frauen bedecken ihr Haar mit einem Tuch – das gibt es dort am Eingang kostenlos zum Leihen.
    Und auch hier kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus – blaue Moschee wird sie genannt aufgrund ihrer vielen Iznik-Fliesen im Inneren, offiziell heißt sie eigenltich Sultan-Ahmed-Moschee. Dazu die prächtigen Fenster und die filigranen Kuppelbemalungen haben mir die Sprache verschlagen. Bilder sind hier besser als Worte.

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    Faszination Blaue Moschee

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    Lichtdurchflutet und atmosphärisch
  3. Der versunkenen Palast (Cisterna Basilica) befindet sich direkt neben der blauen Moschee und hat bis 18.30 Uhr geöffnet. Der Eingang ist unscheinbar, aber die Schlange davor ist als Wegweiser zu diesem Highlight auffällig genug. Mit 20 TL ist man dabei und steigt hinab in die ehemalige, von Römern gebaute, Zisterne. Sie kann 80.000 Kubikmeter Waser fassen und ist dementsprechend mit 336 Säulen riesig – ein absolutes Highlight für einen Istanbul-Besuch!
    Die geschickte Beleuchtung der einzelnen Säulengänge lässt dieses Wasserbassin wirklich wie einen versunkenen Palast wirken. Hier kann man sich treiben lassen, den (armen?) Kois unter den Stegen beim Schwimmem zuschauen und die Medusen bewundern. Im Sommer ist es hier bestimmt angenehm kühl.

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    Mystisches Licht im versunkenen Palast
  4. Der große Bazar ist eine Welt für sich und hier könnte ich einfach nur sitzen, das Gewimmel beobachten und mich von allen Gerüchen verleiten lassen. Den ganzen Tag. Man betritt den überdachten Markt durch eine der 22 Eingänge und lässt sich einfach treiben. Durch die karreeförmige Anordnung der Gänge kann man sich eigentlich nicht verlaufen und kommt man ungewollt an einem Ausgang raus, dreht man um und erkundet einen abzweigenden Weg.
    Keramik, Gewürze, turkish delight, Baklava, orientalische Lampen, Stoffe, Schmuck, Uhren und alles, was die eigene Vorstellungskraft übersteigt, findet man hier.
    Umhüllt vom Duft der offenen Gewürze, vom Charme der türkischen Händler und vom Geschmack der süßen Baklava-Versuchungen darf man diesen Ort nicht nur einmal besuchen. Hier pulsiert das Herz Istanbuls.

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    Alles, was das Herz begehrt, findet sich im Großen Bazar
  5. Auf dem Weg zurück Richtung Galata-Brücke kommt man unweigerlich am Gewürzbazar vorbei – auf jeden Fall reingehen. Hier ists etwas kleiner, aber mindestens so herzlich wie im großen Bazar und die olfaktorischen Feuerwerke werden noch einmal gesteigert.

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    Und das beste: Man darf alles probieren!
  6. Das Viertel Beyoglu und die Flaniermeile Istiklal Caddesi sind Garanten für ein schönes Nachtleben in Istanbul.
    Sollte man sich als Touri in der Altstadt nicht nach Sonnenuntergang aufhalten (Tipp von einem Einheimischen), so kann man sich in Beyoglu gedankenlos bis Mitternacht herumtreiben. Die kleinen Geschäfte, Boutiquen und Cafés lassen einen entspannt durch die Straßen flanieren.
    Bis man auf die Istiklal Caddesi trifft: Die vollste Einkaufsstraße Istanbuls. Hier geht es ums Sehen und Gesehen werden. Shop an Shop reiht sich hier aneinander. Starbucks, Lacoste und Co. befüllen die Ladenzeilen, während sich auf der breiten Straße die Nostalgie-Bahn standhaft ihren Weg sucht.

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    Die historische Bahn findet immer ihren Weg

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    Die Restaurants sind hier in der Regel etwas teurer als rund um den Galataturm.
    Mein Essenstipp: Wir haben im Yemek Kulubu zu Abend gegessen – ein Restaurant im Art-Nouveau-Stil mit wunderschönen, auf Fliesen festgehaltenen Bildern wie von Mucha. Das Essen ist lecker, der Nachtisch deliziös, der Service sehr freundlich und der Preis unschlagbar günstig. Zwei Gerichte mit Getränken und einem Nachtisch haben uns umgerechnet 13 Euro gekostet.

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    Faszinierende Wandverkleidung im Art-Nouveau-Stil

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Und wo kann man gut & günstig übernachten?

Unsere Wahl fiel auf das super zentral gelegene World House Hostel und wir gönnten uns den ‚Luxus‘ eines Zweibettzimmers. Na ja, die Betten waren sauber und man konnte in Ruhe schlafen. Punkt. Allerdings empfehle ich das Inklusiv-Frühstück lieber in einem nahen Café einzunehmen. Sehr lecker war’s im Café Marmelat – zu finden in einer verschlungenen Gasse direkt unterhalb des Galataturms mit tollen Marmeladen bei gemütlicher Atmosphäre.

Eine Anmerkung aus leider immer noch aktuellem Anlass: Wer unsicher ist, ob Istanbul gerade das richtige Pflaster für einen ist, kann sich fix beim Auswärtigen Amt informieren. Hier gibt’s mehr Infos dazu.

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