Bannwald-Tour am Wildsee im Schwarzwald

Schwarzwald kompakt: Eine Wanderung durch den Bannwald bei Baiersbronn

Was macht den Schwarzwald in seiner Ursprünglichkeit aus? Nadelwälder, so weit das Auge reicht, unberührte Karseen und wer noch einen drauflegen will, gibt sich noch einen phänomenalen Weitblick auf die Rheinebene Richtung Frankreich. Auf der Bannwald-Tour hat man alle drei Highlights zusammen auf knapp 14km und muss dabei nicht einen einzigen Kilometer auf Asphalt zurückzulegen. Das klingt doch nach einer perfekten Wanderung für mich!

Wir starten am Wanderparkplatz hinter dem riesigen 4-Sterne-Hotel ‚Auerhahn‘. Das Tal ist hier zu Ende, ab jetzt geht es nur noch bergauf und das am besten zu Fuß. Entsprechend wenige Wanderer trifft man an diesem Startpunkt um diese Uhrzeit. Soll mir nur reccht sein, denn der Wanderweg ist ziemlich beliebt und ich fühle mich bei zu vielen Menschen beim Wandern immer etwas gehetzt. Blöde Angewohnheit, aber daher war es umso schöner, dass es hier ruhig war.

Einmal tief durchatmen und los ging’s Richtung Bannwald. Die ersten 200Hm arbeiteten wir uns munter den Berg hinauf – es war anstregend, aber das erste Ziel, der Wildsee im Bannwald, ist einfach zu reizvoll.
Vorbei an knorrigem Nadelgehölz und großen weißen Baumpilzen folgten wir dem Wanderschild mit dem Hirsch.

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Anmerkung: Leider scheinen gerade an wichtigen Kreuzungen die Wanderschilder nicht überall mehr vorhanden zu sein, daher achtet bitte darauf, die richtige Abzweigung zu nehmen und Karte und/oder GPS dabei zu haben.

 Das Tolle an dieser Tour ist, dass wir einige Kilometer auch auf Pfaden zurücklegen können und so den richtigen Flair des Schwarzwaldes spüren dürfen mit seinen wild gewachsenen Wurzeln, seinen Stolpersteinchen auf dem Weg und dem satten Immergrün der Nadelbäume. Der Abschnitt vom Startpunkt über den Wildsee bis hoch zum Wildseeblick ist wegetechnisch gesehen der schönste Teil der Wanderung. Man läuft auf kleinen Wegen sprichwörtlich über Stock und Stein – manche Stellen sind daher als schwierig ausgezeichnet, weil es eben keine Wanderautobahn ist und so erreichten wir nach vielen herbstlich-sonnengesprenkelten Waldeindrücken den Wildsee.

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Der Karsee Wildsee ist fast komplett rund und liegt auf 911m über NN. Entstanden ist er vor vielen vielen Jahrtausenden während einer Eiszeit. Heute können wir Wanderer den See und seine Tierwelt in seiner fast unberührten Umgebung erleben, denn er liegt in einem 150 Hektar großen ‚Bannwald‘. Dieser besteht bereits seit 1911, ist einer der ersten deutschlandweit und bedeutet, dass man sich als Wanderer in einem Totalreservat befindet. Hier wurde keine Forstwirtschaft betrieben, nix, nada. Campen, Übernachten, Feuer machen und pupsen sind hier strengstens untersagt, damit dieses Paradies weiter bestehen kann.

Mein Blick glitt über die spiegelglatte Oberfläche, folgte einer tanzenden Libelle, die in der Novembersonne schimmerte und verlor sich in den steilen Hängen um den See herum, die so typisch für Karseen sind. Eiszeit, was warst Du nur für ein mächtiger Former!
Die Mittagspause hier zu verbringen war ein Muss und der ins Wasser ragende Baumstamm bot einfach eine zu bequeme Sitzmöglichkeit an. Ein neugieriger Eichelhäher inspizierte uns aus nächster Nähe, trank in Ruhe aus dem See und machte sich mit lautem Gezeter davon.
Wir gönnten uns noch ein paar weitere Minuten und machten uns dann auf, um uns den See vom Wildseeblick aus noch einmal von oben anschauen zu können.

Wie ich schon schrieb, der Weg hoch war ziemlich cool, weil er ein wenig ausgesetzt und etwas ’steigartig‘ war. Hier sollte man aber gerade, wenn es nass ist, trittsicher sein.
Euphorisch kamen wir ob des schönen Aufstiegs oben am Aussichtspunkt an und fanden uns auf einer Wanderautobahn wieder…
Okay, das war jetzt schon irgendwie das krasse Gegenprogramm. Buggy an Buggy zog an uns vorbei – ein gescheites Ampelsystem wäre zumindest am Aussichtspunkt hilfreich. Uff!
Der Blick hinunter zum See ist schon toll – aber atmosphärischer war es unten direkt am Ufer. Also – wenn ihr mal in der Nähe seid, steigt auf jeden Fall hinunter! Das lohnt sich absolut!

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Wir machten, dass wir bald weiterkamen. Die Wanderautobahn führte uns schnurstracks zur Darmstädter Hütte – und hier steppte der Bär. Sonntag Mittag, der 1. November, dabei 14°C und wir mittendrin. Halb Frankreich und ganz Baden war gefühlt hier. Auf das Wunsch-Radler haben wir dann kurzerhand verzichtet und sind flugs weitergezogen. Und auf den nächsten Abschnitt habe ich mich als quasi zweites Etappenziel auch schon richtig gefreut: Der umfassende Blick in die Rheinebene bis nach Frankreich und bis in die Vogesen.

Der Weg war weiterhin ein bequemer Forstweg und ermöglichte uns ein schnelles Forankommen. Und so überholten wir Gruppe für Gruppe, bis wir einen ersten Blick erhaschen konnten Richtung Frankreich. Und jawoll – wir hatten zwar keine Rheinebene, aber ein wunderschön waberndes Wolkenmeer bis in die Unendlichkeit. Gespickt mit kleinen Felsinseln und dem fernen Gebirgszug der Vogesen war dieser Anblick ein absoluter Traum!
Einziger ‚Nachteil‘: Wir waren nicht alleine, um dieses wunderschöne Naturphänomen zu genießen und leider führt an dieser Stelle die Schwarzwaldhchstraße sehr nah am Wanderweg vorbei, sodass man immer Motorenlärm im Ohr hat. Im Gegensatz zum Wildsee war das schon ein krasses Gegenprogramm. Aber diese Aussicht… ich muss hier unbedingt wieder hinkommen!

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Wir erreichten nach einigen Biegungen dann den Parkplatz und das Stübchen Seibelseckle und haben hier nun doch uns in die lange Reihe der gierigen Mäuler eingereiht, um ans wohlverdiente Radler zu kommen. Wir haben unsere Flaschen dann einfach mitgenommen und uns an einem gemütlichen einsamen Plätzchen niedergelassen und in der Novembersonne dieses kühle Glück genossen.

Der Rest ist schnell erzählt: Wir haben uns einmal verlaufen (daher wirklich mein Hinweis, achtet an Kreuzungen auf das richtige Wanderschild), sind dann aber noch gut ins Tal abgestiegen, am Rotwildgehege mit halbstarken Kitzen vorbei und wieder am Hotel ‚Auerhahn‘ rausgekommen.
Mit einer schon fast untergehenden Sonne im Rücken sind wir wieder in unser Wander-Mobil gestiegen und sind müde und zufrieden in unser Basislager gefahren. War klar, dass ich diese tolle Tour sofort verbloggen musste, oder?!

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4 Kommentare zu “Schwarzwald kompakt: Eine Wanderung durch den Bannwald bei Baiersbronn

  1. Hallo Corinna,

    eine wunderbare Herbsttour. So schee bunt . Nur ein wenig doof, dass so viele weitere auch diesen hübsche Tour unternehmen. Nun gut, es war ja auch ein Sonntag :D

    Nebelmeer hast du auch erlebt, Gibt’s somit nicht nur in den Bergen ;) *lach*

    Liebe Grüße an dich
    Conny

    1. Hellooo Conny,

      jahaaa… diese Menschen immer auf den Wanderwegen ;) Unmöglich ^^
      Aber danke – die Tour war wirklich toll und ich hab echt nen Luftsprung gemacht, als ich das tolle Nebelmeer gesehen habe. Das war ein absoluter Herzenswunsch!!!

      Lieb grüßt zurück,
      die Corinna :)

    1. Danke Dir, liebe Tessa!
      Die Tour war an dem Tag wirklich wunderschön. Aber in Tokio ists bestimmt auch nicht schlecht, oder?

      Liebe Grüße!
      Corinna

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