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Fröhliche Kurzweil auf dem Klettersteig Walsersteig

Ich habe mich seit dem letzten Jahr ans Klettersteiggehen herangetastet und habe definitiv Blut geleckt. Mit den Händen am Drahtseil, unter einem ganz viel Tiefe, Leere und einfach frische Luft. Im Kleinwalsertal konnte ich im Mai dann den Walsersteig gehen – für mutige Anfänger gut geeignet und für einen kleinen Sonntagsausflug perfekt.
Nachdem ich bereits in den Dolomiten einen Klettersteig der Kategorie A/B geführt gegangen bin und mir dort alle notwendigen Tipps für einen sicheren Via Ferrata mitgegeben worden sind, wollte ich es jetzt auf eigene Faust versuchen.

Klein starten im Kleinwalsertal

Doch für den Anfang wollte ich klein starten, um mich selber einschätzen zu können. Passenderweise gibt es einen ziemlich kurzen Via Ferrata im Kleinwalsertal auf knapp 2000m, der auch Ende Mai schon schneefrei war. Und so kam meinem Freund und mir der ca. 60 Minuten lange Walsersteig der Kategorie B/C als letzte Tour vor unserer Abreise aus dem Kleinwalsertal sehr gelegen.
Gemütlich frühstücken, dann entspannt mit der Kanzelwandbahn schlappe 800 Hm zurücklegen und nach einem kurzen Stück auf der Wanderautobahn zum Gipfel der Kanzelwand biegt man in den Klettersteig ab.

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Die Beschaffenheit vom Walsersteig

Für mich war es mein erster Via Ferrata der Kategorie B/C und ich war schon ein wenig aufgeregt. Ich mein… ich bin doch Anfänger und C ist direkt noch eine Stufe weiter als B… andererseits waren nur zwei Stellen mit dieser Schwierigkeit gekennzeichnet. Ich habe mir geschworen, sofort umzudrehen, sobald ich Muffensausen bekomme.

Nicht, dass ich dann in der Wand hängen bleibe und mich zu den Panneköppen zählen muss, die dann von der Bergrettung wieder ins Tal gebracht werden müssen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass dieser Steig genau das Richtige war, um mich einschätzen zu können: Ich hab nix inne Arme, aber doch eine gute Portion Mut und Geschick. Meine Ausrüstung kann noch ein wenig verbessert werden – Handschuhe sind ein absolutes Muss und die Kamera muss besser verstaut werden.

Psychisch das schlimmste für mich-die Brücke. Aber ich pack's!
Psychisch das Schlimmste für mich-die Brücke. Aber ich pack’s!

Beim Einstieg geht es direkt einige Meter nach oben – weg vom Wanderweg, das soll mir nur recht sein. Ich hoffe nur, dass nicht die komplette Route so steil wird. Schon nach einigen Minuten klettert man vor allem waagerecht weiter, hangelt sich über Felsecken und unter Vorsprüngen entlang. Ich mit meinen 1,65m komme noch gut an alle Seile, für kleinere Leute wird es hier dann allerdings wirklich anstrengend.
Die zwei Abschnitt, die als B/C ausgeschrieben sind, sind wegen ihrer notwendigen Armkraft physisch anstregend, aber psychisch gut machbar. Danach habe ich schon gemerkt, dass meine Arme nicht mehr sofort willig waren, einfach weiter zu klettern. Zum Glück kann man immer wieder Pausen auf recht sichereren Stellen einlegen, sich ausruhen und ein paar Fotos machen.
Ein wenig mulmig war mir noch wegen der vorausliegenden Drahtseilbrücke. Sowas ist mir generell zu weit weg vom Fels, zu frei schwebend. Aber hey, ich bin hier, um zu schauen, was ich mich traue!

Die Drahtseilbrücke
Die Drahtseilbrücke

Bald kam dann auch besagte Brücke, immerhin hatte sie für die Arme zwei Seile, die parallel liefen. Gemein war nur, dass man am Anfang und am Ende irgendwie über diese Seilkonstruktionen klettern musste, mit Umhaken und allem, um weiterzukommen. Meine Hände wurden etwas schwitziger, meine Beine zitterten etwas mehr, aber psychisch wusste ich, dass es funktionieren wird!
Im Endeffekt war die Brücke dann nicht so schlimm wie erwartet, für mich aber definitiv der schwierigste Teil des Steigs. Da sieht man mal wieder, wieviel die Psyche ausmacht. Die B/C-Stellen habe ich ohne Zweifel hinter mich gebracht, nur die blöde B-Brücke hat mich ein wenig fertig gemacht. Aber ich hab sie gemeistert und bin stolz drauf! Habe natürlich auch für Fotos posiert – das geht immer!

Der darauf folgende abdrängende B/C-Teil ging wieder auf die Arme, aber war recht schnell gemacht und dann ging es auch schon hoch Richtung Ausstieg. Die letzte Felsnase mit Eisentritten habe ich nicht so elegant begangen – an der Stelle war ich dann doch etwas klein. Aber dann war auch schon das Gipfelkreuz in Sicht. Die Wanderer von oben schauten uns die ganze Zeit sehr interessiert zu – das war wie fernsehen, nur besser, glaube ich.

Am Ziel angekommen war ich schon mächtig stolz auf mich! War es ’nur‘ ein kurzer Via Ferrata, so war er doch bereits als B/C ausgeschildert und ich habe ihn gut hinbekommen und die Lust auf mehr spiegelte sich in meinem blöden Grinsen wider! Nur an meinen Armmuskeln muss ich noch etwas arbeiten, um dann nicht irgendwann bei einem Klettersteig im Fels hängen zu bleiben.

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>> Mehr Infos zur Tour gibt es bei Via-Ferrata
>> Kate von Wild&Fit hat sich an den benachbarten anspruchsvollen Zweiländer Sportklettersteig getraut. Wow. Der kommt bei mir dann auch irgendwann.

9 Kommentare zu “Fröhliche Kurzweil auf dem Klettersteig Walsersteig

    1. Hey Nadine,

      eine seeehr gute Idee :)
      Wir waren an einem Sonntag dort und es war schlechtes Wetter ab mittags angesagt. Perfekte Bedinungen also. Ich denke, dass dort sonst auch einiges mehr los ist. Ich habe auch immer wieder gelesen, dass einem andere entgegenkommen, weil sie den Klettersteig als ‚entspannten Abschluss‘ vom Zweiländer Sportklettersteig nehmen. Da war ich schon froh, dass mir niemand an einer B/C-Stelle entgegengekommen ist.

      Bin gespannt, was Du dann vom Via Ferrata erzählen wirst!
      Liebe Grüße,
      Corinna

  1. Hey Corinna,

    ein toller Bericht. Ich habe mich gefühlt, das wäre ich live dabei gewesen. Bisher habe ich mich noch nicht an einen Klettersteig getraut und beim Wandern bekomme ich schon ein wenig weiche Knie an seilversicherten und steilen stellen. Nächstes Jahr will ich aber unbedingt einen leichten Klettersteig ausprobieren. Toll finde ich, dass du dich langsam ran tastest. Genauso muss es sein und so werde ich es auch machen. Bzw. die erste Tour unbedingt mit einem Führer.

    Liebe Grüße und mach weiter so mit deinem tollen Blog.
    Steffi

    1. Guten Abend Steffi,

      hach, was für ein tolles Lob von Dir! Da freu ich mich mega drüber!
      Genau, meine Empfehlung wäre definitiv auch, erstmal eine geführte Tour zu machen. Auch wenn sie dann vielleicht ‚zu einfach‘ ist, aber dann kann man sich gut an das Thema rantasten. Und je nachdem, wie Du Dich dann fühlst und wie Dein Equipment aussieht, kannst Du dann allein loslegen.
      Ich war auch wirklich, also wirklich, aufgeregt, als wir den Via Ferrata der Kategorie B/C alleine angegangen sind. Aber ich wollte es so gern probieren und der Steig war ja auch schön kurz.
      Als nächstes wird es dann bestimmt ein längerer im Bereich B/C, bis ich mehr Armmuskulatur habe ^^

      Liebe Grüße,
      Corinna

  2. Oh, an manchen Stellen geht es schon ganz schön in die Tiefe. Die Stelle über das Seil ist für mich auch herausfordernd. Habe zwar auch schon ein paar Klettersteige hinter mir, aber so eine Seilpassage hatte ich bisher noch nicht gehabt.
    Klasse wie du es gemeistert hast! :-)

    LG Conny

    1. Hihi – daaanke! Ja, das war dort wirklich einfach zu ‚frei‘ für mich ^^ Aber es ist geschafft und ich bin stolz drauf!
      Schön zu hören, dass ich nicht die einzige bin, die an solchen Passagen zu knabbern hat!

      Liebe Grühüüüße
      Corinna

  3. Hi Corinna!

    Da haben wir uns ja wieder einmal „knapp“ verpasst :-) Wir waren während unserer Outdoor-Sport-Expedition im Juli auf dem Klettersteig. Von Schnee war da nichts mehr zu sehen, dafür jede Menge Sonnenschein und auch der „gefürchtete“ Gegenverkehr.
    Das Problem mit der Kamera hatte ich auch, aber zum Glück war auch die GoPro mit im Gepäck. (Wer mag, kann sich den kurzen Clip bei uns im Blog ansehen: http://www.waldhelden.de/klettersteig-kanzelwand/)
    Für uns war das auch der erste Klettersteig und ich kann dir nur zustimmen, dass er sehr gut für Anfänger geeignet ist, aber gleichzeitig auch nicht langweilig. Insbesondere die Brücke und das tolle Bergpanorama machen diesen Klettersteig zu einem echten Erlebnis.

    Viele Grüße
    Udo

  4. Toll sieht das aus! Ich habe mich letztes Jahr auch das erste Mal auf einen Klettersteig gewagt (Rio Sallagoni am Gardasee) und nach anfänglichen Panik-Momenten fand ich es total toll! Heuer möcht ich mich unbedingt wieder auf einen Klettersteig wagen :)
    Liebe Grüße,
    Kathi

    1. Hey Kathi – der Steig ist also zu empfehlen? Vielleicht komm ich da ja mal hin :D
      Man hat manchmal echt mit sich selber zu kämpfen – meine ‚Feinde‘ sind Leitern und Seilbrücken… dann doch lieber Fels.

      Aber man lernt vie über sich selber!

      LG und keep on climbing :D
      Corinna

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