Krabbeln am Klettersteig: der Karlsruher Grat im Nordschwarzwald

Endlich waren wir am einzigen Klettersteig hier bei uns in der Nähe. Es ging nach Ottenhöfen im Schwarzwald. Was es dort sonst noch gibt, außer die Otten und uns?

Nicht viel. Aber das Wetter war auf unserer Seite und so empfing uns das verschlafene Dorf mit strahlend blauem Himmel bei 17 Grad und das Ende Oktober!

Die Tour ist sehr gut ausgeschildert, schließlich ist es ein ausgezeichneter Genießerpfad. Am Mini-Bahnhof in Ottenhöfen startet man. Hier sind einfach die meisten Parkmöglichkeiten.
Und dann geht’s erst einmal eine ganze Weile bergauf gen Eichkopf auf 526m. Der Pfad schlängelt sich wunderschön durch den dichten Schwarzwald. Heute ist die Sonne so stark, dass sie uns immer wieder ein fantastisches Lichtspiel zeigt.

Der Schwarzwald von seiner schönsten Seite

Wir sind relativ alleine unterwegs. Ich hätte an so einem goldenen Oktobertag mit mehr Andrang gerechnet. Aber hey, ich bin die letzte, die sich beschwert. Zu unserer freudigen Überraschung kamen wir an einem Getränkebrunnen vorbei. Hier gibt es Schnäpse, Bier und Cola mit Bezahlung auf Vertrauensbasis. Wir probierten einen Blutwurz und einen Margaritenlikör. Streng, sag ich mal. Beschwingt ging es weiter und auf einmal war mir so warm…

Bald trafen wir auf einen Tagebruch – die Atmosphäre wie im Steampunk-Zeitalter – etwas mystisch, etwas dreckig. Nur die vielen parkenden Autos waren absolut modern… hier waren also die Massen an Freilufthäschern, die ich schon viel früher erwarteten habe.
Wir schlängeln uns mit vielen anderen durch das schöne Gottschlägltal über Brücken und an Geländern entlang bis zu den Wasserfällen am Edelfrauengrab. Die passende tragische Geschichte gibt es hier nachzulesen.

 

Absolut moosig, nass und wunderschön, wie sich das Wasser seinen Weg hier durch die Landschaft bahnt. Bei Frost würde ich hier aber niemanden guten Gewissens herlaufen lassen, denn auch an trockenen Tagen steht hier überall das Wasser.

Wir folgen dem Wasser entgegen seiner Laufrichtung immer weiter hinauf. Bei diesem Anstieg weiß ich auch, warum die Tour alpinen Charakter hat. Hier sinds auf einen Schlag 430 Höhenmeter.
Wir nehmen diese Anstrengung sehr gern auf uns und versuchen, einem inneren Trieb folgend, der Masse davonzulaufen wie damals am Preikestolen. Es klappt nur bedingt, weil einfach so viele Kleingruppen mit Kind und Kegel unterwegs sind. Und dann stehen wir vor dem Einstieg zum Klettersteig. Ich freue mich auf diese viel zu kurzen 400 Meter Kraxelei und laufe hinauf zum ersten Felsen.

Affenfelsen – wie im Zoo

Und was sehen meine Augen? Direkt am Einstieg vom Karlsruher Grat – den ersten Affenstein – mit einem Augenzwinkern nenne ich diese exponierten Stellen so, weil sich dort alle Wanderer sich dort sammeln, um zu pausieren. Einfach zu lustig diese Gruppenbildung.
Uns zieht es weiter, denn jetzt kommt ja der spannendste Teil der Route!
400m Kraxel-Passage am Grat entlang
Der Klettersteig ist im Grunde ein Krabbelsteig. Man braucht keine spezielle Ausrüstung, nur Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Die Trekkingstöcke würde ich hier fix wegpacken, denn die Hände sind sicherere Abstützer.
Und ganz ohne Spaß: bitte geht diesen Weg nur, wenn es den Tag vorher nicht geregnet hat und es nicht friert. Der Weg ist ausgesetzt und gutes Schuhwerk ist absolute Voraussetzung!
Ich hatte meine Bergstiefel an und war dankbar, weil sie meine Füße gut stabilisiert haben. Man kann den Grat auch mit leichteren Schuhen bezwingen, die sollten aber dringend ein gutes Profil haben!

Der Rest ist schnell erzählt: es sind immer wieder Passagen am Grat, an denen man die Hände zur Hilfe nehmen sollte, aber man kann auh jederzeit zur Bergseite hin gehen und so den Grat umgehen.

Nach gemütlichen Pausen und Pausieren auf einem leeren Affenfelsen ging es an den Abstieg. Schnell wurde man wieder von den hohen Nadelbäumen des Schwarzwaldes umfangen und suchte sich seinen Weg auf ausgetretenen Waldwegen hinunter ins Tal. Einen kurzen Stop legten wir noch am Brennte Schrofen ein, genossen dort den Blick bis zur Rheinebene, um dann ohne große Unterbrechung bis nach Ottenhöfen abzusteigen.

Einschätzung der Wanderung

Für die Tour waren 4 Stunden reine Gehzeit veranschlagt, es ist ja auch ein Genießerpfad. Wir haben mit allen Pausen die gleiche Zeit gebraucht. Also waren wir schneller unterwegs, haben aber auch gut Pausen eingelegt.
Warum die Strecke wirklich ein Genießerpfad ist, liegt wohl an den mindestens 20 (!) Bänken, die wir bei dem Rundweg gezählt haben – die Affenfelsen natürlich nicht mitgerechnet.
Durch die über 700Hm bietet die Tour einem schon mehr als Mittelgebirgscharakter. Aber nicht nur die Höhenmeter machen die Runde zu einem tollen Erlebnis – die kleine Krabbelpassage am Grat ist natürlich das absolute Highlight! Aber auch wenn hier immer viel los ist, bitte unterschätzt den Berg nicht. Erst im Sommer ist hier ein Wanderer abgestürzt.
Wenn ihr also umsichtig seid, kann ich euch diese Tour absolut ans Herz legen – sie ist ein Genuss für Augen und Muskeln.

>> alle Infos zur Tour

Ein Gedanke zu “Krabbeln am Klettersteig: der Karlsruher Grat im Nordschwarzwald

  1. Die Massen stehen nur neben den Kieshaufen, weil niemand den Bahnhof findet! Mir ist es in zwei Versuchen noch nicht gelungen. Am zweiten (Bach)kühlschrank hatte ich mein bislang bestes Radler. Super Service!

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