Zwischen Schafott und imposanten Felsen: eine Wanderung zur Ruine Zavelstein

Ich verzehre mich nach Frühling und frischem Grün. Wie gerufen kam da der unscheinbare Hinweis im Outdoor-Magazin, dass es bei Zavelstein wilde Krokusse gebe.

Den aktuellen Blütenstand konnte man per Krokustelefon erfahren – wie geil ist das bitte?! Keine Frage, da wollte ich hin.

Auf Frühlingsuche im Schwarzwald: von Calw nach Zavelstein

Umso erstaunlicher für mich war es, dass es mich auf Frühlingsjagd in den Schwarzwald verschlug. Der ist alles, aber in meinen Vorbehalten alles andere als frisch und frühlingshaft. Wie gemein von mir.


Zunächst ging es ab Calw wirklich auf einer typischen Schwarzwaldstrecke entlang: Tannen, hoch wie Riesen und pieksig wie gemeine Trolle, die an deinem Haar zerren. Der Pfad war so schmal und vermost, dass ich nicht überrascht gewesen wäre, wenn mir ein sprechendes Kaninchen den Weg erklärt hätte. Aber ich hatte ja meine GPS-Fährte, so konnte ich mich nicht verlaufen. Zwischen den urigen Tannen gab der Wald ständig große Felsen frei, die etwas Aussicht erlaubten. Bestimmt wurden sie einst zu eben jenem Zweck von den Steinbeißern dort hingehievt.

Schafott auf dem Wimberg
urige Wanderpfade bei Calw
Nur das Schafott ist von Menschenhand erbaut worden. Hier wurde die vorletze Hinrichtung Baden-Württembergs vorgenommen. 1818 wurde eine Raubmörderin geköpft. Heute quietscht neben dem  Steinmonument eine Schaukel zwischen den Bäumen.
Ein wildes Gänseblümchen zwischen den wilden Krokussen
abgeschmiergelt
Vorbei am Wildgehege mit Schwarzwild und Wildschweinchen führt der Wanderweg nun auf breiteren Forstwegen entlang. Ich habe eine leichte Forstweg-Allergie. Schlechter wurde mir dann, als es ein Stück an der Straße entlang ging. Ich fing schon wieder an herunterzubeten:“Man soll den Weg nicht vor dem Ende loben“. Doch nach ca 1 km wurden wir mit den Krokuswiesen entschädigt! Hier wächst seit dem 18. Jahrhundert wilder Krokus. Diese Wiesen bei Zavelstein sind weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt. Zugegeben waren wir früh im Jahr dran, aber immer mehr lilane Blüten finden ihren Weg zur Sonne. Habe ich schonmal erwähnt, dass ich lila liebe?!
Dementsprechend lange brauchten wir bis zur Ruine Zavelstein. Denn ja, jede Blume sieht anders aus und ja, jede verdient ein eigenes Foto! Hehe.
schöner Wurzelweg im Schwarzwald
Burgmauern in Zavelstein

Die Ruine vor der Durststrecke

Auf den Überresten der Burg Zavelstein kann man ganz hervorragend herumkraxeln. Es ist nichts abgesperrt, man kann sogar die alten Weinkeller besichtigen – was für eine Überraschung, dort ist es kühl und dunkel. Wer den Turm besteigen möchte, wirft einen Obolus ins Kästchen und darf sich daran machen, die Spitze zu erobern. Im Sommer steppt hier bestimmt der Bär!

In der Ruine Zavelstein mit Eingang zum Weinkeller
Auf der Lützenhardt

Nachdem wir nun die herrliche Aussicht bis tief in den dunklen Schwarzwald genossen hatten, ging es mit unserer Tour zurück nach Calw weiter. Wir verließen das schnuckelige Dörfchen und liefen nun die Durststrecke entlang. Es bedeutet, dass uns die nächsten 2 km entlang der Straße, durch Wohngebiet und über Land bis zum nächsten Dorf führten. Im Gesamtbild der Strecke war es im Nachhinein gesehen aber nur ein kleines Stück, das dem Gesamtflair des Weges keinen Abbruch tut.
Bald bogen wir auf einen Feldweg ein, ließen das verschlafene Dörfchen hinter uns und blickten auf eine schier undurchdringliche Waldfläche. Endlich wieder Wanderwege!

runter…

 

… und wieder rauf

Zwischen Trollbauten und Stubenfels

Der nun folgende Streckenabschnitt war äußerst abwechslungsreich und spannend, denn er führte uns immer tiefer und tiefer in die verschlungenen Pfade des Schwarzwaldes. Im Grunde folgt man nur einem einzigen Weg, der sich munter den Hang in wirren Wemdungen hinunterschlängelt. Pfade, nicht breiter als 3 Fuß breit lassen uns unsere Schritte überlegt setzen. Hier gibt es keine Aussicht – hier gibt es nur Wald. Tiefen Tannenwald. Und dann wieder Felsen. Wilde moosige Brocken recken ihre grauen Nasen nach oben. Taugen sie als Boulderfelsen?

Ouuuahhhh!
Stubenfelsen versteckt im Wald

Und dann kommt die Koriphäe unter den Felsen, der Stubenelsen. Kommt man von oben, erkennt man vorerst nur eine Platte, von der man wunderbar die Beine baumeln lassen kann. Steigt man dann an ihm entlang weiter hinunter, erkennt man, dass der Fels (natürlich) überhängt und die Formation etwas Zeitloses hat.

Nach diesem Erlebnis folgen weitere Höhlen, schmale Durchgänge und Überhänge bevor der Wald uns wieder ausspuckt und die Sonne unsere Nasen kitzelt. Vorbei an einer kleinen Kapelle spazieren wir gemütlich weiter, packen noch eine letzte Steigung durch den schwarzen Wald und erreichen absolut zufrieden unseren Ausgangspunkt.

Vorurteile adé

Der Schwarzwald hat heute meine Erwartungen bei Weitem übertroffen! Wilde Krokuswiesen, garniert mit urig felsigen Waldwegen und einer fabelhaften Ruine machen die kurzen Abschnitte auf Forstwegen und Straßen vergessen. Wer etwas Märchenhaftes sucht, sollte diese Tour wirklich probieren – vielleicht trefft ihr wirklich mal das weiße Kaninchen…
GPS-Daten habe ich hier her.

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5 Kommentare zu “Zwischen Schafott und imposanten Felsen: eine Wanderung zur Ruine Zavelstein

    1. Hey Sarah,

      sehr gern :) Der Schwarzwald heußt natürlich nicht umsonst so, daher muss man sich die schönsten Strecken, die nicht nur durch Nadelwälder führen, herauspicken. Diese hier ist aber wirklich toll – streckenweise auch etwas dusterer, aber mit der Ruine und den Krokuswiesen absolut sehenswert!

      Liebe Grüße,
      Corinna

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