Großer Beschützer für vier Jahreszeiten – das Exped Sirius II Extreme im Test

Ein neues Zelt musste her, so viel war sicher. Aber find mal eins, das Deinen Wünschen und Komfortansprüchen standhält. Die erste Tour sollte nämlich nach Norwegen gehen – das Wetter hier ist unberechenbar. Also musste auch ein absolut verlässliches Zelt zu meiner Ausrüstung hinzukommen.

Das Sirius 2 Extreme von Exped

Ich habe mich bei den Bergfreunden direkt in das Sirius II Extreme von Exped verliebt und eh ich mich versah, war das Platzwunder schon zu Hause angekommen.
Eine Anmerkung an alle Zelt-Neu-Besitzer:
Oberstes Gebot ist es, das Zelt beim ersten Mal unter entspannten Verhältnissen aufzubauen – am besten zu Hause im eigenen Garten oder auf der Wiese nebenan!
Na ja – ich weiß das ja eigentlich, aber der Flieger nach Norwegen ging bald und schon war das Zelt ratzfatz im Rucksack verstaut. Los ging’s.

Der erste Aufbau

Exped Sirius 2 Extreme (5) im Test
Außmaß, Packmaß und die Eingangstür
Der Erstkontakt mit dem neuen Zelt sollte etwas länger werden – zum Glück war das norwegische Wetter uns hold und wir konnten in Ruhe am Strand das Zelt aufbauen.
Als Untergrund hatten wir weichen Sand und eine einigermaßen ebene Fläche. Das waren schon mal gute Voraussetzungen.
Der Aufbau wird strengstens überwacht
Der Aufbau wird strengstens überwacht
Dem Zelt liegt auch eine Anleitung bei, die ich in dem gutem Glauben einpackte, sie würde uns helfen. Daher sei hier direkt das größte Manko vorangestellt: die Anleitung ist gar nicht gut und nützt einem fast gar nichts!
Informiert Euch lieber vorher über’s Netz, sodass ihr nicht wie wir die vielen Tüfteleien selbst herausfinden müsst, die dieses Zelt bietet. Sehr geholfen hat mir (im Nachhinein und für Euch hoffentlich im Vorhinein) das Video von walkonthewildside und die Homepage von Exped selbst.
Exped liefert das Sirius II Extreme mit einem großen Packsack, der es einem erlaubt, alles so unterzubringen, wie es passt, ohne Stopfen zu müssen. Mit Hilfe einer Kordel kann man den Packsack dann auf die geeignete Größe zuziehen.
Das Tunnelzelt aus 40 D Ripstop Nylon mit einer Wassersäule von 1500 mm (Außenzelt) verfügt über zwei Gestängebögen, die beide identisch sind. Hier muss also auf keine Farbcodes oder ähnliches geachtet werden. Einfach Stangen aufklappen und rein in die Stangenfüßchen. Wie bei allen Tunnelzelten werden mindestens vier Heringe zum Aufbau gebraucht: zwei am Fußende, zwei am Kopfende. Und damit steht das Sirius II Extreme im Grunde auch schon.
Sehr gut ist, dass das Innenzelt am Außenzelt befestigt ist, sodass man das Zelt auch bei Regen so aufbauen kann, dass man hinterher drinnen trocken ist. Etwas Probleme bereiteten uns die vielen Schnüre am Fußende in Verbindung mit den Aufstellstangen. Wir haben es so aufgebaut, dass es gut hielt, aber ob das richtig ist, wissen wir bis heute nicht. Im Video von walkonthewildside sieht das Detailfoto für die Aufstellstangen aber sehr gut aus.
Exped Sirius II Extreme Aufbau
Exped Sirius II Extreme Aufbau
Nun sollte man es aber noch mit den weiteren Abspannleinen spannen, damit es möglichst sicher steht. Bei Exped gibt es für diese zum Aufbewahren die ‚Stuffsäcke’. Hier kann man jede Leine für sich wieder in ein gelbes Säckchen packen, wenn man das Zelt abbaut. Das verhindert ‚Kabelsalat’ und während das Zelt steht, dienen sie als farbige Warnwimpel, damit man nicht über die Schnüre stolpert.
Darüber hinaus hat das Sirius II Extreme auch die Möglichkeiten, das Außenzelt alleine als Tarp aufzubauen (mit dem optionalen Footprint) oder auch nur das Innenzelt. Die beiden Zeltteile voneinander zu trennen, geht dank des Anker-Systems sehr schnell und einfach. Oder man rollt nur einen Teil des Außenzeltes nach vorn, dann hat man eine noch bessere Lüftung. Und man kann dementsprechend auch das Innenzelt einfach ein Stück weit abnehmen, um mehr Platz unter der Apsis zu bekommen.
Milchshake, Kuh, Sockenhalterung und viel Platz
Milchshake, Kuh, Sockenhalterung und viel Platz

Das Sirius II Extreme im Detail

Eine ganz besondere Erwähnung findet der Fußbereich des Zeltes. Hier hat Exped mit Aufstellstangen gearbeitet, sodass man selbst ganz hinten im Zelt noch den Platz gut nutzen kann, denn hier hat man noch knapp 30 cm Höhe. Dadurch kann auch die Gesamtliegefläche von 225 cm genutzt werden. Das ist sehr komfortabel, wenn man groß ist oder viel Gepäck dabei hat. Sollte das Wetter schlechter sein, kann man hier auch mal einen Tag drin aushalten, ohne Platzangst oder Rückenprobleme zu bekommen.
Die Wassersäule des Bodens liegt bei ordentlichen 10.000 mm. Hier wird so schnell nichts nass. Die Sitzhöhe liegt bei angenehmen 100 cm. Am Eingang ist das Zelt 130 cm breit, am Fußende noch gute 125 cm. So bleibt eine Liegefläche von ca. 2,9 m2. Wer also gern etwas mehr Gewicht für mehr Komfort trägt, ist mit dem Sirius II Extreme gut beraten. Es bewegt sich vom Gewicht her in der Mittelklasse, würde ich sagen.
Mit dem optionalen Footprint und dem optionalen Netz liegt das Gesamtgewicht bei ziemlich genau 3,5 kg. Wenn man das nun auf zwei Wanderer aufteilt, bleiben für jeden 1,75 kg. Für mich aber meist weniger, weil ich ja das Mädchen bin.
Weiter war mir wichtig, dass die Apsis groß ist. In diesem Fall hat sie 1,4 m2. Das ist ein kleiner Spleen von mir, dass diese groß sein muss. Aber ich finde es einfach ungemein praktisch, wenn man nachts hier zwei Rucksäcke und die Stinkeschuhe lagern kann. Einfach um die Rucksäcke die Regenhülle spannen, dann bekommen sie auch keine Feuchtigkeit ab. Auch wer mit einem Hund wandert, wird sich über diese Apsis freuen, damit der kuschelige Vierbeiner auch einen gemütlichen Schlafplatz hat.
Beim alten Zelt war die Apsis wohl zu klein für unseren Wanderhund
Beim alten Zelt war die Apsis wohl zu klein für unseren Wanderhund
Ein großer Vorteil dieses Zeltes ist auch die gute Belüftung. Es ist für vier Jahreszeiten ausgelegt und so kann man auch sein Lüftverhalten anpassen. Generell kann man zwei Ventilationsschlitze offen haben, die sich an Kopf- und Fußende befinden. Das Innenzelt besteht aus einer Lage Sichtschutz und einer Lage Moskitoschutz. Man kann also ohne Probleme den Sichtschutz am Fußende öffnen, um eine noch bessere Luftzirkulation zu erreichen. Dieses Fenster ist ziemlich groß, sodass hier wirklich viel Luftfluss möglich ist.
Und ein großer Abstand vom Außen- zum Innenzelt hilft bei einer guten Durchlüftung. Hier sei nur darauf hingewiesen, dass sich in dieser Luftschicht gerne Fliegen, Schneider und Co ansammeln und diese sollte man vor dem Abbau des Zeltes dann doch rausschmeißen. Das geht ganz einfach, indem man durch das Anker-System das Außenzelt lüftet.

Die Crème de la Crème des Exped Sirius II Extreme

Exped Sirius II Extreme (6)Noch einmal erwähne ich hier die Aufstellstangen im Fußbereich. Dadurch gewinnt man einfach auf so eine simple Art so viel Platz im Zelt. Toll sind auch die Glow-in-the-dark Kordelenden am Zelteingang. Dadurch findet man auch nachts die richtige Seite, um das Zelt zu öffnen.
Im Innenzelt selbst hat man auf beiden Seiten große Meshnetze, um alles Nötige dort zu verstauen. Eine Wäscheleine ist zudem ins Innenzelt integriert – sehr praktisch für eine kleine Laterne und natürlich für Wäsche. Optional kann man hier auch ein Netz spannen, damit verringert sich die Sitzhöhe etwas, schenkt einem aber noch mehr Verstaumöglichkeiten. Beim Netz darf man keine Scheu vor etwas Gewalt zeigen, sonst kriegt man es nicht so stark gespannt, damit es in die vorgesehenen Halterungen passt.
Sehr kreativ waren die Macher bei der Einganstür, denn die kann man auf verschiedene Arten öffnen. Natürlich ganz klassisch – beide Reißverschlüsse nach oben schieben und die Tür oben verstauen. Aber man kann auch einfach den linken Reißverschluss nach rechts durchziehen und die Tür in einem Seitenfach innen an der Apsis verstauen. Dann kommt einem die Tür auch nicht aus Versehen wieder herunter, sollte man beim Einstieg ins Zelt oben am Eingang mit dem Rücken hängen bleiben.
Wie die Eingangstür funktioniert
Wie die Eingangstür funktioniert

Starker Begleiter für jede Tour

Für mich kommt das Sirius II Extreme von nun an auf jede Tour mit, auf der ein Zelt verlangt wird. Für zwei Personen ist es ein richtiges Luxuswunder und dabei gewichttechnisch noch gut tragbar. Der Aufbau klappt wirklich sehr schnell und ist auch bei schlechtem Wetter fix machbar. Und wenn man mal alles schnell zusammenpacken muss, dann kann man es gut in den großen Packsack stecken, ohne auf korrekte Rollung und Legung zu achten.
Diesem Zelt traue ich wirklich alle vier Jahreszeiten zu. In der Apsis ist nämlich immer genug Platz, um einen heißen Kakao zu genießen und von dort aus jedes Wetter zu beobachten, das die Wildnis mir bietet.

Kurzinfo

Genug Platz in der Apsis für allen Kram
Genug Platz in der Apsis für allen Kram

 

♥ große Liegefläche von ca. 2,9 m2
♥ große Apsis für Rucksäcke, Schuhe und Hund
♥ Aufstellstangen für mehr Beinfreiheit
♥ gute Luftzirkulation
♥ Glow-in-the-dark Kordelenden
♥ Anker-System zwischen Innen- und Außenzelt
♥ Verstaumöglichkeiten der Eingangstür
♥ Farbe: grün und rot
♥ Preis: 499,95 € bei den Bergfreunden

 

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