Mittwoch, 20. März 2013

An der weißen Tanne links – ein Schneeschuhwochenende unter Bloggern

Wie genau kann man sich das vorstellen? Die Autoren von Nature-x, JeeperMTJ, einfachdraussen, klimbingkorns, SchöneBergtouren und Outdoormädchen treffen sich irgendwo an der Grenze zu Österreich, im Allgäu auf ein Schneeschuhwochenende. Man kennt sich sporadisch oder gar nicht – schon mutig, wenn der Schnee 2m hoch liegt und man aufeinander angewiesen ist.
Aber was soll ich sagen? Das Wochenende war super und hat uns sehr viel Spaß gemacht!

Die Odyssee der Anfahrt

Für uns aus dem Pott war die Anfahrt an sich schon etwas länger, also fuhren wir morgens um 6 Uhr los. Die Sicht war bescheiden, die Wolken schneeschwer. Aber mein Gott, die im Süden wissen damit schon umzugehen! Jaja, die schon… wir aber nicht.

Und so kam es, dass wir mit dem starken Passat 10km vor unserem Ziel nicht weiterkamen, die Berge rückwärts wieder hinunterrutschten und nur mit großen Augen dem kleinen Twingo hinterherschauen konnten, der sich locker flockig durch das Schneetreiben den Berg hochschob, den der Passat nicht schaffte. Kurzum, wir saßen fest.
So kurz vor dem Ziel wollten wir uns aber nicht entmutigen lassen und machten uns also auf die Suche nach einer Lösung des Problems – Schneeketten!
Aber hey, es ist gar nicht so einfach, Schneeketten in Österreich im Winter zu finden. Etliche verbratene Nerven später und nur wenige Kilometer weiter fanden wir schließlich im kleinen Lingenau beim Reifenhändler Wema sowohl Schneeketten als auch einen zuvorkommenden Mitarbeiter, der uns zu unserem festgefahrenen Passat zurückbrachte und uns noch half, die Schneeketten anzubringen. Hierüber noch einmal ein riesiges Dankeschön! Sie haben uns unser Wochenende gerettet!

Wir waren also wieder guter Dinge und gruben uns die Anhöhe zum Parkplatz des Hochhäderich hinauf. Keine 200m vor unserem Ziel steckte ein Auto links von der Fahrbahn im Schnee fest. Die Sicht war wieder sehr bescheiden, der Fahrer hatte einen linken Fahrbahnpöller für einen rechten gehalten und sich damit voll in den Tiefschnee gesetzt. Ich sagte Mario Bescheid, dass wir später kommen würden, da wir noch halfen, das Auto freizukriegen. Mit zu Eis gewordener Jeans und steifen kalten Fingern bekamen wir nach gefühlt ewigen zwei Stunden das Auto endlich frei. In der Zwischenzeit stellten wir fest, dass es einer von unserer Truppe war, der sich festgefahren hatte und dass alle, die schon vor Ort waren, sich an seinem Auto schließlich versammelt hatten. Mario und Martin kamen nämlich vom Parkplatz herüber, Nico und ich waren ja eh schon da und Günni gehörte das arme Auto.

Der erste Abend

Schließlich kamen wir gemeinsam gegen 18Uhr am Alpengasthof Hörmoos an – unser zu Hause für die nächsten Tage. Hier wurde für unser leibliches Wohl sehr gut gesorgt, die Zimmer sind schön und gemütlich und das Essen, liebe Leute… das Essen ist wunderbar! Flädlesuppe, Allgäuer Kruste mit Rettich, als Dessert einen warmen Topfenkuchen.
Draußen war es schon dunkel geworden, da kamen noch zwei Gestalten mit Schlitten an: die Crew von Nature-x! Nach einem großen Hallo und einer verspäteten Mahlzeit für die beiden wurden noch einige Farnys und andere gute Tropfen getrunken und bald fielen dem ein oder anderen die Äuglein zu nach so einem ereignisvollen Tag.

Erste Schneeschuhtour bei Lawinenwarnstufe 4

Am nächsten Morgen bei einem ausgiebigen Frühstück diskutierten wir darüber, wo unsere Schneeschuhtour entlang gehen sollte. Es bestand Lawinenwarnstufe 4, wir wollten auf keinen Fall in gefährliches Gebiet kommen, also schön von den Hängen fern bleiben, die Sicht war bei dem anhaltenden Schnee immer noch nicht so gut. Wir warteten noch auf Christina von klimbingkorns und Martin von einfachdraussen und zogen dann los.
Für mich war es das erste Mal auf Schneeschuhen und da ich tags zuvor schon das „Vergnügen“ hatte ohne Schneeschuhe im Tiefschnee zu laufen, weiß ich umso besser, dass gute Schneeschuhe das Ah und Oh sind! Ich hatte mir Tubbs geliehen und war mit denen absolut zufrieden!
So fingen wir nach wenigen Metern auf einer Loipe selbst an zu spuren, ab in den Tiefschnee, wo vorher noch niemand war. Der Blick zurück bei so einer Tour ist grandios! „Das haben wir alles selbst gespurt“, ein dämliches Grinsen schleicht sich ins Gesicht. Fairerweise muss ich aber sagen, dass die starken Männer mehr gespurt haben – bei Schnee, der bis zum oberen Oberschenkel geht, ist das echt anstrengend. Wir waren zum Glück ja in einer größeren Gruppe unterwegs, sodass sich keiner komplett beim Spuren verausgaben musste.
Besonders bemerkenswert fand ich, dass Ines, im 7. Monat schwanger, auch dabei war und super mitgehalten hat! Chapeau!
Wir zogen uns also langsam, aber stetig den Berg hinauf, Richtung Piste. Ab da wurde es dann wieder einfacher, mit Schneeschuhen kann man wunderbar den Berg runterrennen! Oder wie Martin auf seinen Tourenski – einfach den Berg runterheizen. Unten angekommen machten wir uns schnell aus dem Staub. Die Liftanlage zog sogar bei diesem eingeschränkt guten Wetter noch für unseren Geschmack etwas viel Menschen an. Der Hunger trieb uns weiter und so kehrten wir gegen späten Mittag im Alpstüble Moos ein, um uns zu stärken. Es tat gut, die Zehen etwas wärmen und die Kleidung etwas trocknen zu können. Dampfende Suppe und deftige Spatzn führten zu einer gefräßigen Stille am Tisch.
Nach diesem leckeren Mahl machten wir uns auf, die zweite Hälfte unserer Tour zu meistern. Die andere Talseite wollte noch gespurt werden. Ein Teil des sanften Hanges war sogar schon von zwei Frauen begangen worden, bei denen wir uns artig bedankten, dass sie uns schon Arbeit abgenommen hatten. Ab dem Steinernen Tor mussten wir dann aber wieder selbst ran. Und so spurten wir uns durch die wunderschöne Landschaft. Mittlerweile war es schon 16.30 Uhr und die Sonne ließ sich das erste Mal an diesem Tag blicken. Mit der Zeit klärte der Himmel immer weiter auf und bereitete uns extrem schöne Erinnerungsmomente. Zurück bis Hörmoos konnte ich meine Kamera kaum still halten.
So ein ereignisreicher Tag. Morgen wollen wir noch mal auf Tour.

Schneeschuhwandern bei -16°C und Sonne pur

Der nächste Morgen stellte sich als ganz hervorragend heraus. Die Sonne strahlte und so sollte es den Tag über auch bleiben. Es juckte uns in den Fingern, endlich die Schneeschuhe umzuschnallen und loszuziehen. Der Hohe Häderich mit 1565m war heute unser Ziel.
Wir konnten bis zur Piste unsere Spur von gestern nehmen – und verbesserten uns um zwei ganze Stunden. Dann kam der eigentliche Anstieg, der uns im Eselsgang den Berg erklimmen und Gespräche komplett verstummen ließ. Aber der Aufstieg wurde belohnt. Als wir am Grat ankamen und Ausblick auf die sonnenbeschienenen österreichischen Alpen einerseits und das flacher werdende Allgäuer Land andererseits hatten, war uns alles recht. Wir folgten dem schon gespurten Weg zum Gipfel – eine Gratwanderung im Schnee. Einfach nur herrlich! Wir trafen nur einen Snowboarder dort oben und als dieser sich ganz dem Powder hingab, schauten unsere Jungs nur neidisch hinterher.
Trotz der Kälte verbrachten wir eine recht lange Mittagspause dort oben, schossen Fotos und erfreuten uns einfach an diesem wunderbaren Weitblick. Der Weg hinab ins Tal führte uns leider entlang einer vielbefahrenen Piste – also Gänsemarsch und aufgepasst, dass niemand umgenietet wird. An der Liftanlage unten angekommen hielt es dann auch niemand von uns so richtig lange aus. Zu voll, zu laut, zu konsumorientiert. Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander, jeder mit frischen Eindrücken und mit der Gewissheit, dass dies nicht das letzte Treffen dieser Art war. Ich für meinen Teil habe sehr viel über Wintertouren gelernt (ach ja, das Getränk kann ja einfrieren, wenn es auf Tour unter 0°C geht… hätte ich auch vorher drauf kommen können…). Danke, Martin für die Leihgabe der Lawinenschaufel und des LVS-Gerätes, Mario für die Orga und allen für die lustigen Gespräche!

Martin von JeeperMTJ hat auch über unsere "Blogger SnowTour" geschrieben.


Die Galerie gibt's auch im Vollbildmodus - für's "dabei-sein-Gefühl". (Fotograf: Outdoorgourmand)

Kommentare:

  1. Schneeschuh-Wanderungen sind einfach spitze. Irgendwie dann doch schade, dass der Winter jetzt quasi wieder vorbei ist…

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    1. Das hat auf jeden Fall meeega Spaß gemacht! Und ich freu mich einfach auf den nächsten Winter, denn da weiß ich dann, was ich auf jeden Fall noch einmal machen werde ^^

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